Ich fühl mich Schalke

Winterpause. Zum Saisonstart zwei Wochen Urlaubspause. Zum Urlaubsende ein unerwarteter, kurzfristiger Serverwechsel. Aus Blogger-Sicht kein idealer Saisonstart. Mein Team zieht mit. Durchwursten in der ersten Pokalrunde, ein gerade-noch-unentschieden zu Hause gegen den Augenhöhenangstgegner HSV und ein deftiger Unterleibsfaustschlag in Wolfsburg.

Während alles um mich rum anfängt zu fleischen und den Teufel in irgendwelchen Mannschaftsteilen oder Spielern zu suchen, versuche ich mir das natürlich in gewohnter Manier irgendwie schön zu reden. Die vielen Verletzungen, die neuen, jungen Spieler und die gestandenen Spieler, die sich in ihre neue Rolle finden müssen. Und während die ersten Stimmen laut werden, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielen würde und selbst ‚Hans Sarpei‘ mit kryptischen Wünschen seinen Teil zu dieser Vermutung beiträgt oder die Spekulationen bei dem ein oder anderen sogar in Gang bringt, glaube ich noch ganz romantisch an den Willen im Profi-Fussballer, der sich sicher nie und nimmer zu diesem Zeitpunkt die Chance auf einen guten Stand in der Tabelle für einen Putsch aufgeben würde. Schon gar nicht die Chance, in der Königsklasse aufzutreten.

Aber gerade mit dieser hatten die Spieler große Probleme. Gut, es ging gegen einen Gegner, auf den man sich nicht sehr lang vorbereiten konnte. Gegen einen Trainer, der Schalkes Probleme bestens kennt. Und vor allem musste man beide Partien reichlich ersatzgeschwächt angehen. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass wir in die Champions League einziehen, und bin nun um so froher, das dies trotz aller Widrigkeiten und ganz akut auch Platzverweisen noch geklappt hat.

Auch der Zusammenhalt in der Schalker Familie, nicht nur nach dem mutmaßlichen Terroranschlag der Polizei NRW auf die Nordkurve, gefällt mir gerade sehr. Und der Support vor, bei aber vor allem NACH den Niederlagen in Wolfsburg und Hannover war einfach unfassbar und unnachahmlich. Da fühl‘ ich mich einfach Schalke!!

Natürlich muss man sich die Situation – vor allem sportlich – nun nicht schöner reden als sie ist, aber man kann auch getrost unterlassen, eine Krise zu sehen oder gar herbeizureden. Ja, es wird verdammt schwer, gegen Leverkusen zu Punkten und allein diese Formulierung ist ja rein vom Papier her ein Hohn, denn wir sollten doch der glasklare Favorit sein. Weil wir eben Schalke sind. Doch bei allem Respekt sollten wir keine Angst haben müssen und den Ball flach halten. Alle.

Denn wo immer ich in der jüngeren Schalker Geschichte hin schaue: Schnellschüsse haben sich selten bezahlt gemacht. Und es gibt jenseits von Euphorie und Aktionismus wunderschöne Zustände. Schalke sollte einer davon sein.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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