Ein offener Brief an Sky-Reporter Rolf „Rollo“ Fuhrmann

Ich möchte diesen Brief nicht löschen, aber unbedingt darauf hinweisen, dass sich „Rollo“ Fuhrmann inzwischen mehrmals öffentlich & glaubhaft entschuldigt hat. Danke dafür.

 

 

Sehr geehrter Herr Fuhrmann,

vermutlich hätte ich Sie noch vor drei Tagen mit einem lockeren „Hallo Rollo“ angesprochen. Denn diese lockere Art pflegen sie ja auch im Social Network Twitter, in welchem Sie seit ca. 2 Wochen aktiv sind und bereits über 700 Tweets abgesetzt haben. Sie nennen ihre Follower Rollower und verpacken Meldungen gerne in kurze Sätze, die wohl eher satirischen Ausmaßes sind. Auch bei Spielen machen sie gerne auf Ulknudel. Um dem Nicht-Twitternden Leser einen Eindruck zu vermitteln folgt ein Beispiel von gestern Abend: „Ich Kauf mir jetzt ne Schnecke und nenne sie matip“. Das kann man lustig finden oder auch nicht. Ehrlich gesagt: Ich fände es sogar fast lustig.

Ich fände es fast lustig, wenn nicht Sie, werter Herr Fuhrmann, mich nicht vor zwei Tagen – äußerst gelinde ausgedrückt – arg irritiert hätten. Sie schrieben folgenden Tweet, um ihren ‚Rollowern‘ ihre Wahrnehmung bezüglich der Plattform Twitter näher zu bringen: „einfach super hier..jeder sieht was anderes, jeder schreibt was anderes und alle verstehen sich…ich bin beim autistenaustausch klasse“. Soweit, so gut. Oder eher nicht. Man schreibt schnell unüberlegte Dinge. Dass Sie hier völlig außer Acht lassen, dass sich auf Twitter und sogar auch unter ihren „Rollowern“ tatsächlich Autisten und Eltern, Geschwister und sonstige Angehörige derer befinden, die das, wie sie sich hoffentlich vorstellen können, nicht sehr lustig finden, ist die eine Sache. Denn die Andere ist, dass es auch ohne diesen Fakt für einen Menschen, der so viel Öffentlichkeit erzeugt, dass er einen blauen Haken an seinem Twitterprofil trägt, ein ziemlich peinlicher Satz ist.

Denn dieser suggeriert, dass sie entweder nicht viel über Autismus und vor allem seine teilweise sehr schlimmen Auswirkungen auf die Leben der Betroffenen und ihren Angehörigen haben, oder dass sie diese schlicht verhöhnen. In ihren weiteren Tweets – immer nur an einzelne Twitterer gerichtet – sagen Sie, dass es ja gar nicht so gemeint war, dass sie Autisten nicht als Behinderte bezeichnet hätten (Wobei ich da wieder nicht verstehe, warum der Ausdruck ‚behindert‘ hätte beleidigender sein sollen als das, was sie geschrieben haben), dass man sie nicht einfach als Arschloch bezeichnen könne, was einzelne Leser wohl getan haben, und geben wiederum anderen Leser, die sagen, dass sie sich nicht von Kritikern des Ausgangssatzes beunruhigen lassen sollen, Recht.

Vereinzelt kommt ihnen – auch an einzelne Widersprecher gerichtet – ein Sorry über die Lippen. Immer mit einem Zusatz wie „Wenn dem so ist“. Eine öffentliche Entschuldigung findet, trotz des mehrmaligen Hinweises, dass Sie einigen Menschen damit vor den Kopf gestossen haben, nicht statt. Was ich mich nun frage ist, ob Ihnen dazu an den entsprechenden Körperteilen mangelt, die ihr Kollege Olli Kahn so gerne den Angstfreien zuspricht, oder ob Sie den Umstand immer noch nicht begriffen haben, dass ihre Aussage und einige der darauf Folgenden nicht nur dumm, sondern, wie bereits erwähnt, arg verletzend für Betroffene war.

Und genau das ist der Grund, warum ich nicht bereit bin, diese Sache ruhen zu lassen und ausgerechnet diesen Weg wähle, Ihnen dies mitzuteilen: Es beschämt mich, wie hoch die Akzeptanz für solche Entgleisungen ist, und wie schnell Menschen, die sich nicht damit abfinden wollen, dass eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, solche Äusserungen von sich gibt, als sogenannte Trolle bezeichnet werden, die ja nur wieder gegen irgendetwas wettern möchten. Klar kann man das in Zeiten, in denen einschlägige Raptexte, die Menschen mit Behinderung diffamieren, im Radio rauf und runter laufen, lächerlich finden. Aber man kann auch gerade in solchen Zeiten – vor allem  als Sportsmann – besonders darauf achten, dass man seinen Mitmenschen, trotz aller Humorigkeit, den nötigen Respekt entgegenbringt.

Nochmal: Ich möchte Ihnen keinerlei Absicht oder Boshaftigkeit unterstellen. Aber ich möchte Sie dazu aufrufen es verdammt ernst zu nehmen, wenn Menschen sich an Sie wenden und sagen, dass Sie sich verletzt fühlen. Und da darf es keine Ausrede sein, dass irgendwelche anderen Leute daherkommen und Sie beleidigen. Ich möchte Ihnen dringend raten, sich öffentlich zu entschuldigen, damit auch ich und viele andere, denen dieser Satz bitter aufstößt, bald wieder die Sky-Berichterstattung geniessen können, ohne an diese dumme Bemerkung zu denken.

Mit freundlichen Grüßen,

 

skAndy

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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