Dann Gute Nacht!

Die Wahrheit ist: Diese Saison wird uns rein quantitativ nicht mehr viel Fußball bieten, der unsereins irgendwie zu berühren vermag. Was bleibt uns also, als diese Endspielrethorik, die wir eigentlich für totalen Unsinn halten für bare Münze zu nehmen, und uns auf das letzte Spiel zu freuen. Wie ein kleines Kind quasi. Tue ich. Und zwar wie ein kleines Kind auf Silvester.

Silvester? Ich will es euch sehr gern erklären. Silvester war für den Schreiber dieser Zeilen früher immer ungefähr so: Auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, so ca. um elf Uhr einschlafen.

(Aus Gründen des Selbstschutzes und der Gesichtswahrung verrate ich an dieser Stelle zwar, dass ich noch ein kleines Kind war als ich dieses Verhalten an den Tag legte, lasse aber gekonnt weg, dass es sich dann im gerade zweistelligen Alter in ein „Auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, auf Mitternacht warten, und sich Mitternacht dann wegen des Feuerwerks vor Angst wieder reinflüchten“ gewandelt hat, was fast übergangslos in ein „Trinken, trinken, trinken, trinken, trinken und entweder betrunken irgendwo einschlafen oder aber zumindest betrunken genug zu sein, um sich am nächsten Tag daran erinnern zu können“. Vor einigen Jahren habe ich natürlich erkannt, dass die Geselligkeit vor Mitternacht das eigentlich Schöne ist und habe um null Uhr nur noch die Aufgabe, meine Kinder auszulachen, weil sie entweder Angst haben oder aber eingeschlafen sind. )

Und genauso freue ich mich nun auf das letzte Spiel, das große Finale, auf das man die ganze Saison hinarbeitet. Denn ich werde die Geisterstunde, die in diesem Fall um 15:30 stattfindet, nicht erleben. Das eventuelle Freiburger Offensivfeuerwerk muss jemand anderem Angst machen. Die Geselligkeit müsst ihr in euren Kleingrüppchen unter euch ausmachen: Ich muss arbeiten.

Es mag ein weiterer Schutzmechanismus sein, dass ich mir das gut Schönreden kann. Ja, es ist das letzte Pflichtspiel für viel zu lange Zeit. Ja, es geht um viel. Aber mein 33 Jahre altes Herz hat Infarktangst. Scheiss auf die Champions League. Es muss an diesem Freiburg liegen. Dieses Freiburg, wo der Reviernachbar vor zwei Jahren seine Meisterschaft vorfeierte. Da, wo sie am letzten Spieltag der letzten Saison ihren Meistertitel mit einem 0:4 bestätigten. Da, wo sie gern gesehener Gast sind. Genau DA zu verlieren. DAS würde mich kirre machen.

Selbstvertrauen ist eine prima Sache. So mancher will es mir sicher jetzt gerne zu- oder  einreden wollen. Aber genau dieses Selbstvertrauen besorgt mich so.  Wo hin man hört diese „Wir glauben an uns“ und „Wir schaffen das“. Klar, mir ist die Notwendigkeit dieser Redewendungen bewusst. Aber eben auch die Schmach, wenn es nicht so sein sollte. Aber in dem Fall kann ich es ja halten wie in der dritten Silvesterphase: Akute Amnesie!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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