Darf man sich eigentlich gefreut haben?

Darf man? Für den Rivalen? Den Nachbarn? Den Wasauchimmer? Keine Ahnung. Ich für mich habe meine Antwort gefunden. Zunächst natürlich ganz unterbewusst. Weil ich ja schließlich gemerkt habe, ob ich Freude zugelassen habe oder nicht. Aber trotzdem mag ich analysieren. 

Identifiziere ich mich mit Borussia Dortmund? Schauen wir mal:

Borussia Dortmund an sich: Klares Nein! Pure Ablehnung. In die Wiege gelegt. Da kann man nix machen. Alle die da spielen oder in der Kurve oder Gerade oder wasweissich sitzen oder stehen haben schlechte Abiturnoten und/oder doofe Mütter. Ihr kennt das.

Borussia Dortmund als Revierklub: Neee. Das ist mir irgendwie egal. Ich mag das Revier. Aber ich mag auch die Hanse- und Großstädte des Landes. Ich mag sowieso fast alles, was schön ist. Aber Patriotismus war nie meins. Andersrum finde ich einen Verein aber auch nicht grundsätzlich doof, weil er aus der Nachbarschaft kommt.

Borussia Dortmund als Bundesligist: Die Liga ist ein Wettbewerb. Eine Mannschaft als etwas Verbundenes zu begreifen, weil man im selben Wettbewerb antritt, hört sich für mich stumpfsinnig an. Jetzt kann man mir natürlich von den tollen Errungenschaften für die Liga erzählen. Weitere Champions-League-Plätze und so. Aber dem entgegen steht eine immer größer werdende Kluft, die der Bundesliga dass nehmen könnte, was sie so einzigartig macht. Ausgeglichenheit. „Relative“ natürlich.

Borussia Dortmund als deutsches Team: Bäh, bäh, bäh, pfui, pfui, pfui! Da rede ich erst gar nicht drüber!

Borussia Dortmund als Summe ihrer einzelnen Teile: Manchmal hat man sowas. Man hält zu einer Mannschaft, weil man einzelne Spieler, den Trainer oder irgendeinen Fan mag. Während die ersteren Sachen vollkommen ausgeschlossen sind (siehe Punkt 1) mag letzteres sogar zutreffen. Es gibt ein zwei Leute, für die ich mich freuen könnte. Könnte. Im Falle BvB setzt diese Regel aber aus. Denn so dick die Freundschaft auch ist oder wäre: Es reicht einfach nicht für Sympathie gegenüber dem anderen Klub.

Das klingt doch eindeutig! Keine Identifikation! Nichts, einfach nichts ist vorhanden, was… Moment! Ich habe mich doch gestern Abend diebisch gefreut! Was war denn das? Es war der Gegner. Nicht wirklich der Gegner. Denn würde ich Real Madrid den Test oben durchlaufen lassen, sie würden sicher besser abschneiden. Nur gibt es da etwas, was ich gar nicht mag. Überheblichkeit. In diesem Falle spanische Überheblichkeit. Und die Expertenmeinung. Gegen Barcelona hat dieses Bayern keine Chance. Nochmal wird es für den BVB nicht so einfach. Mich freut es einfach, wenn der klein geredete gegen die Übermannschaft gewinnt. Wenn der Fußball die Gesetze bricht. Denn das ist, was Fußball ausmacht. Und wenn das dann noch mit schönem Fußball passiert, statt mit einer rumpeligen Mauertaktik, begeistert mich das.

Und da bedanke ich mich dann gerne bei den Rivalen mit den doofen Müttern. Für 90 Minuten beste Unterhaltung. Respekt.

Um zur Eingangsfrage zurückzukehren: Keine Ahnung. Also ob man das als Schalker jetzt darf. Nur traurig irgendwie, wenn man es nicht kann. Und statt dessen da sitzt und schmollt. Also nicht für mich, aber für einen jeden selbst. Weil freuen so viel schöner ist…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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