Wir bilden dich: Champions-League-Rhetorik

Das Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen Galatasaray Istanbul war für die Schalker Anhänger eine traurigfrohe Veranstaltung. (Addierende Zusammensetzung, in diesem Falle gestiftet von Hölderlin). Wer sich vor dem Spiel in Sicherheit wähnte und einen Sieg der Türken für ähnlich wahrscheinlich hielt, wie das Gefrieren des toten Meeres (Adynation, eine Übertreibung, die das Nichteintreten eines Ereignisses verdeutlichen soll), und ihren Kader eher als einen zusammengekauften Sauhaufen (Aischrologie, eine abwertende Umschreibung), als für ein Team hielt, musste nachher mit entsetzen feststellen, dass es nicht allein die Göttin Fortuna (Allegorie, personifizierende oder gegenständliche Darstellung eines abstrakten Sachverhaltes, in diesem Falle Glück. Weitere Beispiele: [Justizia – Gerechtigkeit] oder [der Sensenmann – Tod]) war, die den Klub aus Istanbul zum Sieg führte.

Nein, sie siegten sogar souverän (Alliteration, Wiederholung der Anfangsbuchstaben in aufeinanderfolgenden Wörtern).  Das Schalker Spiel war indes nicht gänzlich schlecht, es war… Naja, eigentlich war es sogar ein recht gutes Spiel. (Anakoluth: Führungsbruch, Satzbruch). Aber es war nicht genug. Denn es hat nicht gereicht. Denn am Ende stand man als Verlierer da. Denn der Gegner war einfach Stärker. (Anapher, Wiederholende Anfangswörter). War man nach dem Schalker Führungstreffer noch recht zuversichtlich und euphorisch, hieß es schon bald „wie gewonnen, so zerronnen“ (Annominatio, Wortspiele oder Redewendungen, die auf die klanglichen Gemeinsamkeiten zweier Wörter beruhen). So zeigte sich Schalke schon gleich in der ersten Halbzeit sein schönstes Gesicht und seine hässlichste Fratze (Antithese, Zusammensetzung entgegengesetzter Begriffe). Da nützte auch das stete Bemühen unseres jungen Spielmachers (Antonomasie, ersetzen des Eigennamens durch einen charakteristischen Begriff)  nicht mehr viel. Ihm kann man keinen Vorwurf machen. Diese könnte man sowieso allenfalls dem… Ach, nein, wir lassen das. Schließlich verliert man als Team (Aposiopese – Einhalten der Informationen unter affektbetontem Abbruch der Rede). Es ist halt nicht jeder ein Maradonna (Appellativum, Begriffe – in diesem Falle wohl Weltstar oder so – durch Eigennamen ersetzen). Aber wem nützt solche Afterrede? (Archaismus – quasi ein bedienen aus der längst in die Jagdgründe geschickten Wortschatzkiste). So ist es eben. Ordenliche Gruppenphase, gutes Hinspielergebnis, Schlechtes Rückspielergebnis, Ausscheiden, Mundabputzen, Weitermachen(Asyndeton, sprechen ohne Verbindungswörter). Und auch für uns gilt: Auf dem Teppich bleiben! (Ausruf, kennt ihr.) Denn wie sagte Schiller: „Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.“ (Chiasmus, Satzanordnung nach dem Schema SPO-OPS). Sprich: es war ein aufstrebender Untergang. (Contradictio in adjectivo, Widerspruch zwischen Subjektiv und adjektivischem Beiwort). Es war schon Etwas, ein Beginn, eine Fortführung. (Correctio: das Gesagte, berichtigen bzw. konkretisieren). Das ist zwar im ersten Moment bitter bitter (Diaphora, Wiederholung eines Wortes, meist zur Bekräftigung), aber am Ende doch eine gute Leistung, die einen zufriedenstellen kann. (Entkonkretisierung, Abstrahierung). Wir sind raus. Dann war es eben so. Und ist eben so. Und dann nehmen wir es eben so. (Epipher, siehe Anapher, nur eben am Satzende.) Wenn man ein Spiel spielt, (Ethymologische Figur, Zeitwort verbindet sich mit stammverwandtem Hauptwort als Objekt), muss man auch mal zweiter Sieger sein können (Euphemismus – verhüllende, beschönigende Umschreibung), denn man kann nicht immer nur gewinnen, gewinnen, gewinnen. (Gemination, unmittelbar aufeinander folgende Wiederholung eines Wortes). So ist der Sport und das Fußballspiel (Hendiadyoin, Gleichordnung zweier Substantiva mit „und“ statt logischer Unterordnung), da geht es eben zu wie auf dem Schlachtfeld (Hyperbel, maßlose Übertreibung). Da wird man eben schnell nach unten durchgereicht und verliert. (Hysteron proteron, auch falsche Folge). Außer natürlich, man ist der SV Werder Bremen (Ironie, kriegt noch einen extra Artikel). Das ist Fußball. Das ist unser Fußball. Das ist der Fußball, den wir lieben. (Klimax). Da geht es eben nicht ohne Niederlagen zu. (Litotes, Verneinung des Gegenteils). Da kracht und rummst es eben auch mal. (Onomatopöie, Lautmalerei). Ein Fandasein ist eben eher ein süßsaures Vergnügen (Oxymoron – Widersprüchlichkeit), weil Liebe eben auch Leid ist (Paradoxon – nur scheinbarer Widerspruch). Nun können wir – das könnte mich einen Heiermann fürs Phrasenschwein kosten – uns  voll auf die Liga konzentrieren (Parenthese – Einschub einer grammatisch eigenständigen Einheit in einen Satz). Jetzt heißt es Gas geben auf dem Platz, für einen besseren Platz (Paronomasie – Zusammenstellung gleicher Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung). Und wer weiß, sollte das Glück uns die Hand reichen (Personifikation eines Abstraktums) ist vielleicht noch das Erreichen eines oberen Spitzenplatzes (Pleonasmus – Hinzufügen eines adjektivs, dass im Hauptwort schon enthalten ist) drin. Wir können das schaffen, schafften das bereits Anfang des Jahrtausends (Polyptoton – Wiederholung des gleichen Wortes in einem Satz mit verschiedener Beugungsform). Doch sicher, man muss sich nicht selbst dupieren (Preziosität), es wird verdammt schwer. Doch auch abgesehen vom Ziel, und auch wenn das Alltagsgeschäft Bundesliga farblos klingt (Synästhesie – vermischung zweier Sinnesgebiete), erwarten uns sicher noch ein paar schöne und attraktive Partien (Tautologie). Wichtig ist, dass die Mannschaft den Schock schnell verdaut, und nun fokussiert wie ein Adler zu Werke geht. (Vergleich). Dann wird die Saison noch erfolgreich und das Ende gut (Zeugma, Verbindung von zwei Hauptwörtern oder Sätzen, die sich auf ein Verb beziehen).

Dieser Text (Unsinn – aber hat Spaß gemacht!)

 

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)