Der Junge mit der Pferdelunge

Wolfsburg entwickelt sich mehr und mehr zum Lieblingsgegner. Das 4:0 vor einem Jahr, das starke 3:0 in der Hinrunde, jetzt ein 4:1-Sieg in Wolfsburg der endlich richtigen Comeback-Charakter aufweist. Ein Comeback des gesamten Teams, jawohl, aber auch ein Comeback des Hunters und des Supertalents Draxler, der endlich mal wieder zeigen konnte, wofür er zu Recht so hoch gelobt worden ist.

Obwohl ich erst nach dem Spiel, dass ich, diversen Umständen geschuldet (Nein, ich bin nicht schwanger), erst verspätet schauen konnte, aber immerhin den schönsten Liveticker der Welt genießen durfte, vom schönen Facebookposting des Matchwinners erfuhr, musste ich bei der Begutachtung seiner Leistung doch das ein oder andere mal an unseren Raúl und dessen oft als 9 1/2er bezeichnete Spielkultur denken.

Zwei mal schob der Junge ungeachtet aller physikalischen Gesetze irgendwie den Ball durch die Verteidiger durch die gegnerischen Abwehrreihen als wollte er uns damit sagen, dass auch gegnerische Verteidiger nichts als Materie sind, die man mit purer Willenskraft schon irgendwie vom Ball weghalten kann. Und das war noch lang nicht alles: Keine Spielzusammenfassung konnte der spielumfassenden Top-Leistung von Draxler gerecht werden. Er war, wo er gebraucht wurde und hätte mit etwas Glück mindestens doppelt so viele Scorerpunkte sammeln können.

Dies zwar nicht nur am Rande aber eben unter anderem, denn vor allem hat am Samstag die Mannschaftsleistung gestimmt. Apropos gestimmt: Nachdenklich stimmt mich das erneute Gegentor nach der Führung. Obwohl man sowas, angesichts unserer 2. Halbzeit Marotte in der letzten Saison, wohl eher mit Humor nehmen kann, wenn am Ende das Ergebnis stimmt.

Und das hat es! Die allergrößte Freude bringt meines Erachtens der wunderschöne Sprung in der Tabelle mit sich, findet man sich doch plötzlich auf einem EL-Quali-Platz wieder, und zwar lediglich 2 (in Worten: Zwei) Punkte hinter dem 4. Platz, der die zur Champions-League-Qualifikationsrunde berechtigen würde. Alles in allem kann man endlich mal wieder ein vorsichtiges „Läuft“ über die Lippen bringen.

Aber jetzt heißt es „Halten“. Einziges Problem: Unser nächster Gegner ist der viel gelobte Reviernachbar, gegen den, so ungern man sich das auch eingesteht, auch mal Punkte lassen kann. Heißt aber auch: Dieses Derby kann uns einen ganz großen Schritt nach vorne bringen. Heißt aber wiederum: Mehr Pfeffer, wo es schon überwürzt ist. Deshalb mein Rat an alle Beteiligten: Cool bleiben, Fußball spielen, gewinnen, und DANN meinetwegen Sprüche klopfen.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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