Herzspiel

Ich habe es versucht. Ehrlich. Ich habe versucht, den Spielverlauf in Worte zu fassen, und bin gescheitert. Zeichnen könnte ich ihn vielleicht. Nicht den Spielverlauf, aber die Stimmung die dieser in mir auslöste. Ich nahm den dicken blauen Buntstift meiner kleinen Tochter und malte zwei große, waagerecht liegende Bögen, die, wo sie sich in der Mitte treffen, einen Einschnitt auf Nullniveau bilden. Ich schaute meine nicht gerade sehr anspruchsvolle Zeichnung an, und musste zugeben, dass das dem Spiel, oder dem Ergebnis, vor allem aber dem Erlebnis nicht gerecht wird. 

Staunen, Leiden, Raunen, Freunde und Familie treffen, Fluchen, Schimpfen, Jubeln, Ärgern, Versöhnt sein, Tore vom vielbeschimpften Matip feiern, Biergeduscht werden, Tore vom langsam noch mehr beschimpften Hunter erhoffen, die wunderbaren Menschen der USD gegenüber im Block und die beste Freundin vor dem Fernseher wissen, fremdschämen für manche Umgebenen, Freuen mit Anderen, in der ersten Hälfte den unglaublich starken Farfán, in der zweiten Hälfte die Überraschung Kolasinac direkt vor der Nase haben, Teil der einzigartigen Kurve sein, Teil dieser einzigarten Fankultur sein. Schalke gegen Düsseldorf. Herzspiel. Und das alles im schönsten Plural der Welt: Perfekt.

Ich schaute die beiden Bögen an, nahm den blauen Stift, setzte ihn jeweils am äußeren, offenen Ende der Bögen an und zeichnete Linien, diagonal, nach unten in die Mitte, wo sie sich direkt unter dem Einschnitt treffen, nein vielmehr zusammenfinden und eine Spitze bilden. Ja, so lasse ich es. Das ist, was meinen Samstag am besten beschreibt.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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