Kleine Schritte

Gerade mal 5°C zeigte das Thermometer gestern in meinem Heimatort. Gerade mal fünf Grad. Und trotzdem vermochte die wohlige Sonne sämtliche Kleidungsstücke und dem vom frischen Veltins wohlgeformten Körper geradezu zu durchdringen. Wie belebend die Wärme wirkte, die mit den Sonnenstrahlen durch das große Küchenfenster fiel. Wie ein Magnet zog es mich nach draußen. Und das, obwohl mich „gerade mal 5 Grad Celsius“ schon so oft zum Gegenteil bewegten.

Gerade mal einen Punkt holten wir am Samstag bei den Post-Karnevalisten in der Zweiten Deutschen Fernsehhauptstadt. Gerade mal einen Punkt. Und trotzdem vermochte der gut hörbare, endlich wiedererklungene Kampfschrei meinen vom frischen Veltins gar nicht mal mehr so fürchterlich festverwobenem Kopf geradezu zu durchdringen. Wie belebend die Gegenwehr auf mich wirkte, die die Mannschaft nach zweimaligem Rückstand aufzubringen wusste. Wie ein Magnet hielt es mich am Fernseh-Gerät, um noch sämtliche Nachberichterstattung aufzusaugen. Und das, obwohl mich „gerade mal ein Punkt“ schon so oft zum Gegenteil bewegten.

Und doch weiß man, dass gerade mal 5° Celsius Mitte Februar noch lange nicht den Frühling einläuten. Zu wenig Einheit war auf dem Platz zu beobachten. Zu viele individuelle Fehler führten zu so dicken Chancen, dass man nachher zugeben muss, dass Mainz doch häufiger den Fuß auf den drei Punkten hatten als unsere Knappen. Trotzdem überwiegte für mich das Positive. Nämlich neben dem Kampfgeist waren das ein immer stärker agierender Torwart, ein offensiv starker Bastos, und eine extrem variantenreiche Offensive, die, ist sie erstmal eingespielt, noch einiges zu Bewegen vermag. Dessen bin ich mir ganz fast sicher.

Nun steht in der Türkei eine schwierige Aufgabe an. Einerseits kann man an Magath’sche Zeiten denken und auf ein plötzliches Auftauen der durchaus vorhandenen Kaderqualität in dem hochdotierten Wettbewerb für Möglich halten. Andererseits könnte man auch fürchten, dass es einfach nicht reicht, und wir uns ähnlich jämmerlich präsentieren, wie bei unserem letzten Gegner mit Champions-League-Qualität.

Letztlich ist die einzige Möglichkeit, sich auch im kommenden Spiel über kleine Schritte zu freuen, wenn keine großen passieren. Das schlägt der schöne & gesunde Geist dem ungeduldigen Mensch – zu deren Gattung ich mich wohl eher zählen darf – doch auch in anderen Lebenslagen durchaus vor. Und wenn mich mein Leben eins gelehrt hat, dann, dass gerade da die kleine Schritte Welten sind, wo es sich nicht so entwickelt, wie andere es für normal halten.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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