Knappe Fetzen (Mittwoch, 13. Februar)

Mein Gatte dichtet im Herrenzimmer. Es ist Mittwoch. Ich bin – wie immer – allein mit einer Flasche Lambrusco, die ein paar trinkwütige Karnevalisten vor meiner Haustür haben stehen lassen. Die Championsleague schaue ich mir nicht an. Weniger aus Angst, mich über schwarzgelbe Erfolge ärgern zu müssen, vielmehr finde ich in der Kuppelshow „Der Bachelor“ einige Schwestern im Geiste, die genau so viel süppeln wie ich. Alleine trinken macht einsam. Ich zähle mit: Wein, Calhua, Vodka, Obstler, Bier, Sekt – und das in einer Stunde auf drei Kontinenten! Die haben noch was vom Leben. Erhalte soeben eine SMS von Mandy:

Leeve Elektrahaartje, het ben zou eensam! Klaas gaad niet goud. Luivt van de vand en stuist voortdurend de Tulpches um. Niet gued kijken med hem.  Tot ziens, lekker smaakjes, M     

Nicht gut kicken mit ihm? Das wusste ich auch vorher. Trotzdem voll süß die Nachricht. Ich lege mich wieder hin und warte auf bis es morgen wird. Der Lambrusco treibt. Auf dem Weg zum Badezimmer zerstoße ich mit meinen Stillettos ein Paar Sektpinnchen aus Plastik. Man sollte hier aufräumen. Auf dem Wohnzimmertisch liegen noch eingelegte Heringe vom letzten Heimsieg.

Strom Hagemann

Strom Hagemann

Poesiebeauftragter a.D. und Gründungsmitglied
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