Tiefstpunkt

Ich bin wütend. Wütend, weil der Manager meines Vereins der Presse auf die Frage nach der Ursache der Krise antwortet, das es Themen gäbe, die die Öffentlichkeit nichts angingen. Und er redet da von einer Öffentlichkeit, die sein Leben mit ihrem Wohlwollen finanziert. Eine Öffentlichkeit, die sich Tag für Tag mit dem Sport beschäftigt, Geld, Zeit und vieles mehr investiert, um ein wenig Freude, Gemeinschaft und wasweissich zurück zu erhalten. Ich bin wütend, weil ich sehr wohl der Meinung bin, dass Menschen, die aus der ganzen Welt anreisen, um ein Spiel zu besuchen, die keine Kosten und Mühen scheuen, die teilweise ihr Leben nach dem Verein ausrichten SEHR WOHL eine Erklärung für eine teuer bezahlte Leistungsverweigerung verdient haben. Ja, Herr Heldt, ich bin SCHEISSWÜTEND, wenn sie nicht erkennen, was das besondere an Schalke ist, und dass diese Begebenheiten keine Selbstverständlichkeit sind. Keine Begebenheit, auf die Sie ihr Wirtschaftsunternehmen bauen können.

Und ich bin traurig. Ich bin traurig, wenn wir dem Gegner die Möglichkeit geben, vor dem Spiel auf ein Trainingsspiel zu spekulieren. Ich bin noch trauriger, dass sie dieses dann bekommen. Ich bin am Boden zerstört, wenn ich mir nachher ein Interview mit dem Kapitän (!) der Mannschaft anhören muss, der sagt, man wolle im nächsten Spiel wieder mit Leidenschaft aufwarten. JA SCHEISSE NOCHMAL. Was bitte kann einen Spieler dazu veranlassen, das in einem Spiel gegen den FC Bayern nicht zu tun?? Was kann einem, der Millionen bekommt, um da unten alles zu geben, veranlassen, dass in überhaupt irgendeinem Spiel nicht zu tun? Es macht mich traurig, dass man sich keine Gedanken darüber zu machen scheint, wie es sich  für abertausende Fans anfühlt, die wenigstens auf ein wenig Gegenwehr gehofft haben.

Ich bin bitter enttäuscht. Und das nicht wegen einer Niederlage. Sondern weil ich immer wieder Hoffnung habe. Immer wieder Vorfreude. Jedesmal das Maßniedriger setze und eben doch wieder bitter enttäuscht werde. Enttäuscht, weil ich mich als Fan nicht ernstgenommen fühle. Sogar geradezu verarscht. Niederknieen solltet ihr vor den Fans, die den Verein vom Ende der ersten Halbzeit an bis zum Verlassen des Stadions durchweg mit einem Bekenntnis besungen haben. Stattdessen tretet ihr sie wieder und wieder mit Füßen.

Wut, Trauer und Enttäuschung.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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