Tell me Why…

Der Montagmorgen hat einfach keine Lobby. Ob man nun Hochleistungs- oder Trinksport gemacht, Renovierungs- oder Gartenarbeiten geleistet oder sich einfach mal wieder wundgelegen hat: Irgendwie steckt den meisten das Wochenende in den Knochen. Schlimmer wird es, wenn in der beginnenden Woche weder Familienausflüge, Urlaub, Events, Treffen mit der/dem Liebsten oder irgendetwas anderes stattfindet, auf dass man sich freuen darf.

Zur echten Herausforderung kann so ein Montag allerdings werden, wenn man sich dem Fußballsport hingibt, und das eigene Team sich gerade nicht nur nicht auf der Gewinnerstraße befindet, sondern sogar soweit davon abgedriftet ist, dass man befürchten muss, man kommt da auch ohne Weiteres nicht mehr drauf.

Verlieren gehört zum Sport dazu. Also auch zum Fan-Dasein. Ja, so mancher Fan ist das Verlieren geradezu gewöhnt und auch ich erinnere mich an Zeiten, wo ein Remis ein echtes Highlight darstellte. Mit dem Erfolg und dem Wachstum, mit dem Kauf eines jeden Stars wächst diese Erwartungshaltung natürlich immens. Man muss höhere Ziele erreichen, um den Standard, beziehungsweise im ganz extremen Fall, die bloße Existenz nicht zu verlieren.

Siegen wird zum Normalfall, Unentschieden machen Hmpf-Laune und Niederlagen reizen. Nur ein besonders hoher Sieg, oder ein knapper Sieg gegen einen wirklich besonderen Gegner versetzt einen noch in richtige Glücksgefühle.

Aber auch diese „reizenden“ Niederlagen möchten noch kategorisiert werden. Da gibt es die normalen, am besten erträglichen: Der eigene Verein bringt wenig bis mittelmäßiges zu Stande, der Gegner einfach mehr, dann gibt es die schauderhaften Abschlachtungen des eigenen Teams, die wirklich grausig sind, aber wenigstens irgendwie Effekt bringen, sei es in den Köpfen der Spieler, in der Erwartungshaltung des Fans oder in der Kriegskasse des Vereins.

Und diese jene. Diese ganz gemeinen. Diese Spiele, die du meist schon vorher auf dem Papier dominierst und meistenfalls auch später auf dem Feld. Diese Spiele, die dich, wenn es ganz grausam kommt, auch noch kurz aufjubeln lassen, bevor sie dir den Genickschlag verpassen. Im Resultat wird der Gegner, ob durch Glück, Kampf oder Schiedrichterentscheidungen, mindestens ein Tor mehr geschossen haben.

Und dann sitzt du da Montags morgens. Freudlos. Zuversichtsfrei. Ratlos.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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