Standortbestimmung

Sollte das Spiel in Augsburg eine Standortbestimmung gewesen sein, was wir irgendwie nicht hoffen, sieht es bitter aus. Nimmt man die zwei Spiele zusammen, hat man vier Punkte aus zwei Spielen, wie zum Beginn der Saison, was gar nicht mal so schlecht ist, aber mit Betrachtung auf den Verlauf der Hinserie ein mulmiges Gefühl hinterlässt.

Wurden wir letzte Woche noch von einem herrlich offensiv-offenen Spiel entertained, so dass man sich stets die Augen reiben wollte, um zu erfahren, ob man das GEzeigt gerade wirklich sieht, rieb ich sie jetzt höchstens der Müdigkeit wieder, die das Spiel in mir auslöste. Klar, es war interessant zu sehen, wie Schalke ein gar nicht mal uneffektives  Pressing aufzog, nach vorne ging aber nichts bis nicht viel. Trotz oder vielleicht auch wegen der Doppelspitze, die mir vor dem Spiel noch einen kleinen Freudenschrei entlockte.

Schönrederei hilft da auch nicht mehr. Und wenn Lewis Holtby sich zu Aussagen hinreißen lässt, dass der Gegner eben mit Herz gespielt hat, frage ich mich, warum er selbst das offenbar nicht für nötig hielt. Und wenn Klaas Jan Huntelaar die Mannschaftsleistung lobt, frage ich mich, warum er selbst nicht richtig ins Spiel kam.

Sei es drum. Backen wir kleine Brötchen, wie man sie gerne in der Blau-Weißen-Enklave des Dortmunder Nordens verzehrt. Auch wenn es hart klingt: Ein Punkt ist ein Punkt für den Klassenerhalt. An eine Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb sollte man vielleicht eher erst wieder in ein paar Wochen denken… Zumindest, wenn uns das Glück hold ist.

Aua. Ich spüre die harten Nackenschläge der Leserschaft! Aufmuntern soll ich euch doch, nicht schwarzmalen. Aber es ist schwer. Es ist sooo schwer, stets Spieler wie Fuchs und Co. in Schutz zu nehmen, wenn man dann solche Spiele geboten bekommt. Es ist sooo schwer, stets das Positive zu suchen, wenn die eine Woche lang gepflegte Vorfreude langsam in Neunzig Minuten dahinsiecht.

Aber trotzdem habe ich mit Stolz und erhobenem Haupt am Sonntag Morgen mein Trikot zum Bäcker getragen. Trotzdem habe ich mit Wonne heute morgen mein wunderschönes Teebehältnis vor die Nasen der Schwarz-Gelb-Schalträger in Castrop-Rauxel gehalten. Weil es mein Schalke ist, auch wenn es schlecht läuft. Und irgendwie auch gerade, wenn es schlecht läuft.

Menschen, die Ihre Tickets nun verscherbeln – von denen man ja durchaus hört – weil es sportlich nicht rund läuft, halte ich für äußerst fragwürdig und besser in anderen Stadien zu Hause. Und zum Glück befindet sich in meinem näheren Umfeld niemand solches.

Auch wenn ich meine kaputte „Ich möchte nicht übers letzte Wochenende sprechen“-Tasse ein wenig vermisse, und auch, wenn ich den Glücksprojekt-Mathias kurz verfluch habe, als der Fragebogen einflog, und auch, wenn ich noch öfters das Schalker Spiel verfluche: Schalke braucht uns. Überall. Also bin da. DAS ist Standortbestimmung.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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