Jetzt mal nüchtern

Selten tat mir eine Sommer- oder Winterpause so gut wie diese, der Abstand vom Fußball. Und zwar bis zu dieser Woche, in der es wieder los geht.
Natürlich will ich auch, dass es wieder läuft. „Pause“ ist dann eben auch relativ. Und endlich. Ich bin Fan und sehne für meinen Verein und will erleben wie es wird, und das ist das eigentliche.

Selten war ich auch dermaßen unsicher darüber, was wohl mit und aus meinem Team in der nächsten (Halb-)Spielzeit wird: das berühmte Wundertüten-Phänomen. Ich weiß: Wahrscheinlich habe ich das jedes und noch jedes Mal gedacht vorher. Aber ich fand es noch nie so uneinschätzbar wie diesmal, dieses „eigentlich ein tolles Team“, aber „kein echtes Team“, jenes eigentlich ein „Wachrüttler-Trainer“, aber zu wenig „bewandert, erfahren“ und „motivierend“, all das Verletzte, die Verletzten, das Inhomogene, das Nicht-Nachzuvollziehende im Transferhandeln, die Krisen, das Gedöns … Wie soll das bloß werden?

Was ich mir wünsche: Bitte spielt aus, was ihr drauf habt. Wenn ihr verliert, tut es mit erhobenen Köpfen. Gebt alles bis zum Abpfiff. Nehmt euch öfter mal ein Herz. Aber wisst verdammt noch mal auch immer, wo einer frei steht … nein: wohin sich einer frei läuft! – Das ist doch schon alles, Jungs. Siebzehn Rückrundenspiele lang. Dann ist es mir fast gleichgültig, ob ihr am Ende der Saison sechster, achter oder zwölfter seid.

Denn mal im Ernst, mal jenseits aller Poesie, und ausdrücklich bei aller Liebe: Hat irgendjemand ein Argument dagegen, dass die ersten drei Plätze diesmal an Bay, Bvb und Bay vergeben sind?
Und, weiter, was spricht dafür, dass Schalke Frankfurt, Freiburg und Mainz überholt? (… dazu müsste bei diesen drei Gegnern gewonnen werden. Wie soll das gehen? Vielleicht bei der Eintracht, der ich am ehesten zutraue, dass sie noch einbricht. Die aber hat 5 Punkte Vorsprung vor uns!)
Und: Direkt an Schalke dran sind Gladbach, Stuttgart, der HSV, Hannover, sogar noch Bremen. Alle wie sie da sind, könnten an Schalke vorbeiziehen – dafür fehlt mir nicht viel Phantasie.

Wir haben noch 8 Heimspiele. Bis auf 2 davon könnten wir diese gewinnen. Das fände ich einen sehr schönen Erfolg, zu Hause noch möglichst oft siegreich singen zu dürfen, und damit vor allem die letzten Spiele der Rückrunde leistungsmäßig zu relativieren. (Und Achtung, Freitag-Abend, an dem ich sehr gerne damit begonnen wüsste: Wenn wir verlieren, sind wir mit hoher Wahrscheinlichkeit Elfter der Tabelle!)
Bleiben 9 Auswärtsspiele. Und da, bitte, frage ich, gegen wen und wo sollen wir denn da gewinnen? In Augsburg, Nürnberg, Wolfsburg? Na, das will ich erst mal sehen. Ich rechne mit 7 Punkten.
Macht in Summe 25 Punkte, genau wie in der Hinrunde. Ja, und? Mittelmaß, Mittelfeld, Mittelgut.

Ach, wie gerne lasse ich mich überraschen. Aber böses Erwachen, da hab‘ ich diesmal wenig Bock drauf. Bei aller Liebe.

André

André

Fakten:
Zwischentonbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang erster Bühnenauftritt der Stones | Erster Verein: Rot-und-blau, W-S-V, und als Aktiver: königsblauer Delbrücker Spochtclub | WohnHAFT in Dortmund | Würde niemals in Lüdenscheid wohnen wollen | Hat das Consol Theater in Gelsen-kirchen mitgegründet, direkt neben dem Logo des Web 0.4 | unvergessliche Paraderolle: der blinde Trainer Otze Hirschregen
André

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