Keine Lieder über Liebe

Ich schrieb an dieser Stelle schon einmal über Liebe. Und ich will es wieder tun. Weil ich gerade nicht liebe. Also „meinen Verein“ liebe ich nicht. Sonst gerne und viel. Ich sehe eure schockierten Gesichter. „Wie kann er nur“. Gerade die fleißigste Kommentatorin 2012 – stets von inniger Liebe für Ihren Verein sprechend (Und das nehme ich ihr auch ab!) – wird über einen solchen Satz nicht erfreut sein. Zumindest glaube ich das. Und mit ihr viele andere.

Liebe muss nicht. Liebe will.  So sagt es meine große Liebe. Und sie hat recht. Liebe darf natürlich streiten. Liebe darf wütend sein. Laut. Aber Liebe wird sich versöhnen. Denn Liebe hinterfragt auch sich selbst. Liebe pocht nicht auf eigene Empfindungen. Liebe zeigt Verständnis und sucht Kompromisse. Liebe fordert keine Gegenliebe ein. Fast im Gegenteil: Liebe versucht, Gegenliebe zu schaffen. Wenn mir mein Gegenüber nicht mehr gefällt, und ich ihn anders haben will, dann ist es keine Liebe mehr. Auch wenn ich ihn noch so geliebt habe, so wie er/sie/es früher einmal war.

Liebe ist nicht planbar. Deswegen ist Liebe auch nie ewig. Aber echt kann Liebe sein. Da haben unsere Nachbarn einen gar nicht so unklugen Claim gewählt. Und Liebe kann oder sollte bedingungslos sein. Gerade wenn es zum Beispiel um die eigenen Kinder geht. Und diese müssen wir oft sogar verändern und erziehen. Ich weigere mich aber zu glauben, dass mir oder jemand anderem meiner 999 Freunde dieser Erziehungsauftrag im Fall Schalke zukommt.

Ich – als Fan – habe die Wahl: Ich kann geduldig sein. Ich kann gut zureden. Ich kann hoffen, dass es wieder Liebe wird. Ich kann trotz der fehlenden Liebe Treue und Freundschaft zeigen und von Bildern und Erinnerungen leben. Oder ich könnte – wie oben schon angedeutet – einfach weiter lieben. Akzeptieren, wie der/die/das geworden ist, was ich geliebt habe. Den Weg mitgehen. Meine Sichtweise ändern. Ja. Das könnte ich. Dazu wäre ich bereit. Wenn ich das Gefühl hätte, dass mein Gegenüber mich auch noch lieben will/kann.

Ein anderer Ansatz, den andere vielleicht haben werden, ist, sich selbst als Schalke zu sehen. Und sich selbst zu feiern und zu lieben. Diesen Ansatz verstehe ich, befinde ihn sogar für gut, kann ihn aber nicht teilen. Denn viele dieser Leute in diesem Wir will ich gerade gar nicht feiern. Und lieben. Und mich selbst und meine Freunde muss ich nicht über Schalke definieren.

Treue, Freundschaft, Leidenschaft. Für Schalke. Vielleicht sogar ewig. Und die Liebe kommt hoffentlich zurück.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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