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Wenn morgen die Welt untergeht, werde ich – gemessen an meiner Lebenszeit – schon lange Jahre Schalker gewesen sein. Mit wahrlich verschiedener Intensität. Vermutlich berichtete ich schon mal über die Lücke Ende der neunziger, die mir mein politisches Gemüt zuführte. Selbstverständlich verstand ich mich immer noch als Schalker. Aber ein Stadionbesuch war in den Jahren ’98 bis ’00 nicht drin.

Trotzdem habe ich reichlich viel erlebt in dieser Zeit. Ich würde auf eine Zeit zurückblicken können in der ich – gerade in den letzten 04 Jahren – viele neue Freunde gewonnen habe. In der ich viele Tränen vergossen und unzählige Freudensprünge gemacht habe. Ich hätte wunderbare Erinnerungen an die Nordkurve des Parkstadions und ebenso wunderbare Erinnerung an das neue Wohnzimmer, in dem ich schon so ziemlich jeden Winkel, vom Steh- und Stammplatz, über den Spielrasen bis zur Firmenloge inkl. Pressetribüne, Familien-, Behinderten- und Gästeblock (leider nie als Gast) erkunden durfte.

Ich habe mich auf Schalke schon mal geschlagen, fiese Lieder gesungen, ich bin auf Zäune geklettert, ich habe mir Unmengen Bier und auch mal Lachsschnittchen einverleibt. Ich habe schon mal ein ganzes Spiel eine Hand gehalten, ich habe im Stadion getrunken, geflucht, gesungen, getanzt, gelacht, geweint, geschlafen und geküsst. Ich hatte aufregende Auswärtsfahrten, schöne Tage am Trainingsgelände, tolle Abende mit Freunden bei Fernsehübertragungen und fast täglich tolle Gespräche über den Verein.

Ich bin manches mal zu spät zu Spielen gekommen, weil ich mich festgeredet habe oder weil man unterwegs vom Gesetz aufgehalten wurde. Nur einmal bin ich vor dem Abpfiff gegangen. Es stand 2:1 für uns. Trotzdem war mir jemand sehr viel wichtiger. Ich habe Spiele verpasst, weil ich mich lieber mit dem Nachwuchs beschäftigen wollte, weil ich arbeiten musste, weil ich im Urlaub war oder schlicht, weil etwas eine Höchstpriorität verdiente und ich es so wollte.

Ich erlebte das Gefühl, Meister zu sein, wenn auch nur wenige Sekunden lang. Ich habe imaginäre Pokaltrophäen in meiner ebenso imaginären Vitrine. In meinem Herz hängt eine Bildergalerie mit Portraits von vielen Spielern und Offiziellen: Eigenrauch, Sand, Raúl, Charly, Berger, Thon und viele mehr. In der letzten Ecke sogar Neuer und Rafinha, die mir wunderschöne Erinnerungen geliefert haben, die ich nicht zu verleugnen bereit bin.

Ich habe zusammen mit wunderbaren Freunden einen wunderbaren Blog ins Leben gerufen, der mir so wunderbare Bekanntschaften und mich zu mir selbst gebracht hat.

Wenn morgen die Welt untergeht, dann geht sie unter, bevor Schalke untergeht, bevor das Web 0.4 untergeht, und vor allem bevor meine Wintersonne untergeht.

Wenn morgen die Welt untergeht, gehe ich als einer der glücklichsten Menschen dieser Erde.

Go, Maya, Go!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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