Atsuto Uchida! Schön, dass du hier bist!

Zugegeben: Als die Verpflichtung Atsuto Uchidas bekannt gegeben wurde, war meine erste Reaktion darauf zweigeteilt. Zum einen freute es mich – als jemand, der selber 4 Jahre im Land der aufgehenden Sonne verbracht hat – einen Spieler aus meiner alten Wahlheimat Japan in der Schalker Familie begrüßen zu dürfen. Andererseits war ich mir auch im Unklaren, ob der schmächtige, kleine Fußball-Popstar Uchida sich in die, damals noch mehr als im Moment, körperbetont-malochende Viererkette der Königsblauen integrieren lassen würde – zumal er auch den Weggang eines an guten Tagen grandiosen Rafinha wettzumachen hatte.

Jetzt, gut 2 Jahre später, bin ich mehr als erfreut, Atsuto Uchida in unseren Reihen zu wissen. Nicht nur hat er sich nach einem schweren ersten Jahr immer besser auf das schnelle und, gerade im Vergleich zur japanischen J-League, physisch anspruchsvolle Spiel in der Bundesliga eingestellt, auch scheint er im Kreis der Mannschaft, trotz verständlicher Sprachschwierigkeiten,  sehr gut aufgenommen und integriert zu sein. Darüber hinaus ist Uchida einer, der keinen Ball verloren gibt und, zusammen mit Jefferson Farfan, wie ein Besessener die rechte Außenbahn hoch und runter rennt. Eine Arbeitsethik, die ich dem Jungen – vielleicht wegen seines Boygroup-Images in Japan – so nicht zugetraut hätte.

Klar klappt auch bei Atsuto Uchida noch längst nicht alles. Seine Flanken könnten präziser kommen und auch Torgefahr strahlte der in der Shizuoka-Präfektur geborene Rechtsverteidiger bis zum vorletzten Wochenende (Erstes Bundesligator gegen Hoffenheim) noch nicht wirklich aus. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn Potential zur Steigerung ist bei seinem Talent noch immer reichlich vorhanden. Ich bin mir sicher, dass Uchida in 1, 2 Jahren eine noch festere Größe in der Schalker Hintermannschaft sein wird. Publikumsliebling ist er ja jetzt schon.

Was mir bei  den meisten „Uschi“-Interviews hierzulande bis jetzt nicht gefiel, ist der immer wieder auftretende „Lost in Translation“-Aspekt. Viele seiner sehr lustigen japanischen Antworten wurden äußerst… nennen wir es: „germanisch-praktikabel“ ins Deutsche übersetzt und konnten so weder den Humor noch die Lockerheit Uchidas transportieren. Dass dieser aber mehr zu sagen hat, als „wir haben hinten gut gestanden, da muss ich der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen“, konnte man gerade wieder in einem Interview mit dem japanischen Kicker-Äquivalent „Soccer King“ lesen. Ich habe mir erlaubt, einige Fragen daraus zu übersetzen. Ihr klärt dann, ob das rechtlich OK ist, ja? Danke!

PS: Die kursiven Anmerkungen in den Klammern sind von mir.

 

Q: Gibt es etwas, was du jeden Tag auf jeden Fall machst?

A: In der letzter Zeit wäre das, auf dem Sofa einzuschlafen.

Q: Hast du ein persönliches Hobby, dem du momentan besonders gerne nachgehst?

A: Ja, ich bringe meinen Mannschaftskameraden Japanisch bei (lacht).

Q: Gibt es ein Gericht, das du besonders gut kochen kannst?

A: Pasta. Zumindest kann ich die Nudeln kochen! Aber mein nächstes Ziel ist es, die Soße, die ich bis jetzt immer noch zubereitet bekomme, auch selber kochen zu können, so, dass ich das Ganze auch wirklich „Pasta“ nennen kann (lacht).

Q: Wo würdest du im Moment am liebsten hingehen?

A: Nirgendwo.

Q: Wenn du eine Zeitmaschine hättest, würdest du in die Vergangenheit reisen, oder in die Zukunft?

A: In die Zukunft, und zwar in die Zeit, in der ich selber Opa bin. Da würde ich mein Ich treffen, das nicht mehr arbeitet und Enkel hat. Ich will sehen, was aus mir geworden ist, wen ich geheiratet habe und wie unsere Kinder sind. So in der Art von: „Waaas, die habe ich geheiratet?“ (lacht).

Q: Welchen Rat würdest du deinem Ich aus der Vergangenheit geben, bevor es zu Schalke ging?

A: „Das Training von Magath ist hart, Alter, aber gib nicht auf!“. Naja, dank Magath habe ich jetzt vor nichts mehr Angst…

Q: Was ist dein Lieblings-Manga?

A: Slam Dunk!

Q: Und dein Lieblings-Film?

A: „Laputa, das Schloss im Himmel“ (Ein Anime von Studio Ghibli, die auch Prinzessin Mononoke und viele andere Welthits produziert haben). Ich weiß noch genau, wie ich den als Grundschüler gesehen habe.

Q: Gibt es irgendeine Angewohnheit, die du nicht ablegen kannst, obwohl du davon weißt?

A: Ich kann Leuten nicht gut in die Augen gucken, das ist mir zu peinlich.

Q: Was würdest du dein Ich aus der Zukunft fragen?

A: „Wie viel Geld ist noch übrig?“

Q: Welche Personen hatten den größten Einfluss auf dich?

A: Mitsuo Ogasawara (Nationalspieler, der lange bei den Kashima Antlers war) und Daiki Iwamasa (ebenfalls Kashima Antlers und japanischer Nationalspieler).

Q: Wenn du einmal zaubern könntest, was würdest du tun?

A: Verdammt, da fällt mir grad nur Geld ein (gequältes Lachen). Wenn ich zaubern könnte, würde ich ein Genie werden. Dinge erledigen können, ohne mir Mühe geben zu müssen.

Q: Was würdest du als deinen Schatz bezeichnen.

A: Hier antworte ich mal ganz cool: Meine Freunde.

Q: Was war der größte Kulturschock in Deutschland?

A: Auf jeden Fall, dass hier alle so laut sprechen! Und, dass alle immer eine so starke Meinung haben: „Jaa, jaaa, jaaaa“ (lacht).

Q: Japanische Frauen oder deutsche Frauen, welche haben den größeren Reiz auf dich?

A: Absolut Japanerinnen. 100 zu 0. (Sorry, deutsche Fan-Girls, haha!)

Q: Verraten sie uns ein persönliches Geheimnis!

A: Der Typ Frau, auf den ich stehe, wandelt sich ständig. Im Moment ist es Namie Amuro (J-Pop-Star, geboren 1977), vorher war es Karina (Schauspielerin, geboren 1984), noch davor Nao Matsushita (Sängerin und Schauspielerin, 1985). Aber das ändert sich wirklich ständig!

Q: Was wäre aus dir geworden, wenn du kein Fußballer geworden wärest?

A: Früher habe ich darauf immer mit „Lehrer“ geantwortet, aber heute ist es ein bisschen anders: „Cooler NEET“ (Steht auf Englisch für „Not in Education, Employment or Training“, eine Art Arbeitsloser ohne Perspektiven also)! Ich will einfach nicht arbeiten müssen (lacht). Aber ohne, dass ich etwas mache, kommt trotzdem Geld rein. Das wäre mein Ideal (lacht)!

(Das Interview führte Yusuke Asano)

 

David

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Modebeauftragter a.D.
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