Goldene Jungs

Schreiben, wenn einem die Worte fehlen. Gut, dass ich das in den letzten Wochen so oft üben durfte. Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis ich begreifen kann, was da gestern Abend passiert ist. Schalke besiegt Arsenal London in deren Stadion, während eine handvoll Schalker Anhang das gleiche Stadion nieder singen. Ein Auftritt wie im Märchen, mit Happy End, und gleichzeitig lange Krimi, mit einem Schuss zu viel Spannung.

Schlussmann Lars Unnerstall hält, was zu halten ist, wirkt auch mit dem Fuß mehr und mehr sicher und weiß sogar abzuwerfen. Uchida hat seine Site super im Griff und taucht immer wieder als potentieller Vorbereiter am gegnerischen Strafraum auf. Höwedes ist in einer Form, in der er es mit jedem Innenverteidiger dieses Kontinents aufnehmen könnte, seine brillante Übersicht ist da nur noch Zugabe immer wieder weiss er Uchida zu helfen. Matip hat seine langen Beine stets da, wo sie sein müssen, grätscht, rettet, leitet wunderbare Vorstösse ein. Christian Fuchs springt zwischen Strafraum und Seitenlinie hin und her, kommt aber nie in ernsthafte Schwierigkeiten. Neustädter, der heimliche Star des Abends, wirkt wie der eigentliche Regisseur aus der eigenen Hälfte heraus, Höger tut sein Bestes, um seine Ideen umzusetzen, der in der zweiten Halbzeit für ihn eingewechselte Jones ist ebenfalls in Topform und wirkt so, als hätte er einen katalanischen Kurzpasskurs an der Volkshochschule belegt. Afellay, der wieder über links kommt, aber auch immer in der Spitze auftaucht, wirkt zwar manchmal sehr hektisch in der Ballannahme, aber zeigt gleichzeitig sein neu gewonnenes Selbstvertrauen. Allein Holtby wirkt manchmal arg übermotiviert, als wolle er sein individuelles Können unbedingt auf der Insel preisgeben. Da wird dann auch mal versucht zwischen drei Leuten durch zu laufen, und ein unangenehmer Konter in Kauf genommen. Sein Pressing zwang den Gegner aber stets zu Fehlern im Spielaufbau. Der später für ihn eingewechselte Barnetta stand ihm in nichts nach. Diese wusste vor allem Farfán zu nutzen. Er holte sich ein Ball nach dem anderen, war auf der ganzen Länge des Feldes präsent und rannte und tat und machte. Grandios! Huntelaar arbeitete ebenso auffällig weit nach hinten, war erstaunlich oft als letzter Mann der Offensive zu sehen und leitete Angriffe ein. Leider holte er sich sein Selbstvertrauen erst sehr spät im Spiel zurück, sonst wäre sicherlich der ein oder andere Treffer mehr drin gewesen. Marica hatte nach Huntelaars Auswechslung nicht mehr viel zu tun. Und ich glaube, das ist auch ganz gut so.

Insgesamt einfach eine grandiose technische und kämpferische Leistung des gesamten Teams, die durch nichts zu schmälern ist. Da fragt man sich, was ein Reporter sich denkt, der einen abgekämpften Neustädter nach der Partie mit den Worten begrüßt: „Haben sie sich das SO einfach vorgestellt?“. Klar, Man hat von Beginn an gesehen, dass die englischen „Männer“ die deutschen „Jungs“ unterschätzen, aber Schalke hat agiert. Und zwar grandios. Dieses Spiel und das Derby sollten jedem klar machen, dass Schalke wieder eine richtige Mannschaft hat. Auch, wenn man auf dem Teppich bleiben sollte. Zum Beispiel, wenn die Schalker „Männer“ gegen die Nürnberger „Jungs“ ran müssen…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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