Wir bilden dich. KW 39 – Lieben lernen.

„…eine Liiiieeebeeee, die niemals endet…“ Inbrünstig singen wir es. Und wir meinen es auch so. Und während wir ja gerade gemeinhin Schalke leben, leben viele eines nicht: Liebe. Wie auch? So ist der Mensch doch im Allgemeinen in den seltensten Fällen mit der Fähigkeit ausgestattet, Liebe zu schenken. Und dieses Wort schenken ist, was das Geheimnis ausmacht.

Wir bilden dich. KW 39 – Lieben lernen.

Ich kann eure Entrüstung förmlich spüren. Weil natürlich hat jeder für sich das Gefühl, lieben zu können. Und tut das auf seine Weise. Meistens läuft das so ab: Man lernt jemanden kennen, man ringt um seine Aufmerksamkeit, kaum kriegt man diese, will man küssen, erst auf den Mund, dann plötzlich überall, meistens bei gelegentlichen Treffen. Das zieht sich dann bis zum unbedingt notwendigen Zusammenzug, gerne auch mit Eheversprechen. Man teilt fortan Bett, Geldbörse und Nutellaglas. Mehr geht nicht.

Wer nun aber denkt, wo nicht mehr geht, müsste der Gipfel der Zufriedenheit erreicht sein, sieht sich nicht nur getäuscht, sondern täuscht selbst. Denn wir alle wissen, was dann kommt: Man baut wieder zurück. Plötzlich wird der hergeschenkte Wert Freiheit wieder immens wichtig, oder es muss dringend ein jüngeres, schöneres, reicheres oder einfach anderes Modell her. Gelernt haben wir indes nicht: Die Geschichte wiederholt sich meist, nicht genau so, aber genau so rasant.

So ist es mit allem, was wir lieben. Nicht zuletzt auch unser Leben. Denn auch das wissen wir nur auf dem Papier zu schätzen. Wer wacht denn wirklich morgens auf, und ist dankbar, dass er am Vortag nicht verhungert ist oder erschossen wurde, wie es in vielen Teilen der Welt so überhaupt nicht selbstverständlich ist? Wer pflegt denn sein Leben wirklich, und tut alles dafür, um es zu hegen? Wer macht sich bewusst, wie wertvoll es ist? Ich jedenfalls nicht.

Würden wir es lieben, würden wir jeden morgen aufstehen und Danke sagen. Danke, dass wir noch einen weiteren Tag dieses aufregende Leben in unserem Körper – und sei er noch so kaputt – leben dürfen. Betz at it’s Best.

Wir wollen immer mehr und immer mehr. Uns reicht es nicht, satt zu sein. Wir müssen stets mehr und mehr haben. Mehr Wohnraum, mehr Auto, mehr Urlaub, mehr Sex. Und haben wir irgendwann genug von allem, wollen wir das halt das Gegenteil.

Es gibt nur eine Möglichkeit, diese Spirale zu zerbrechen. Anhalten. Anhalten – egal in welchem Stadium – und wirklich lieben. Lieben was man hat. Begreifen, dass die Aufmerksamkeit der Angebeteten mehr wert ist, als ihre Zeit. Begreifen, dass ein gehasster Tag ein verlorener Tag ist. DAS ist Liebe. Liebe nimmt nicht, Liebe gibt. Und Liebe fordert nicht, Liebe genießt.

Bevor wir hier aber noch zum Eso-Blog werden, möchte ich gerne zum Fußball zurück kommen. Denn natürlich ist es auch dort das Gleiche. Wir wollen Erfolg. Titel. Immer mehr und mehr. Immer bessere, schnellere Spieler, immer höhere Siege und – ganz wichtig – ein immer ansehnlicheres Spiel. Dafür soll der Verein kaufen, kaufen und kaufen, je mehr er kauft, desto legitimer wird auch die Erwartungshaltung.

Letze Woche war ein Sieg gegen Bayern ein Fest, vorgestern einen Applaus wert, gestern ein Soll, heute ein Muss und Morgen noch nicht genug. Eine Niederlage in fünf Spielen? Mit der Quote konnten wir vielleicht 2006 gut leben. Heute ist das ein Grund, die eigene Mannschaft in den Boden zu reden. Schließlich war das ja eine Niederlage gegen den Rekordmeister (Das Thema Logik steht sicher auch nochmal auf dem Lehrplan… ).

Schon jetzt sind wir erfolgreich genug, so dass einige Fans gerne abrüsten würden. Wieder ehrlichen Fußball sehen, mit weniger Geld und mehr Sport. Das jüngere, bessere Modell halt – schließlich ist mit diesem fast alles erreicht. Sollten wir wirklich einmal Meister werden, ich mag es mir gar nicht ausmalen…

Wo ist die Liebe, die niemals endet?

Anhalten! Sofort. Und das genießen, was da ist, was wir sind! Nicht immer mehr fordern… Lieben! Mythos sein!

Wenn uns das Hier und Jetzt nicht zufrieden macht, wird es der nächste Schritt auch nicht tun!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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