Wir bilden dich. KW 38 – Kennst du den Mythos?

Schon vorletzte Woche hat sich Strom Hagemann mit dem Schalker Mythos beschäftigt und dem Wort „Mythos“ eine schöne Definition gegeben. Nur, was nützt der Satz “ …ein Ordnungsmodell für Dinge, die nicht immer durch die Wissenschaften zu beweisen sind…“ wenn der eigene Nachwuchs einen beim lautstarken und falschen Singen während der Hausarbeit unterbricht, um zu fragen „Papaaaaa, was ist eigentlich ein Mythos?“.

Zuerst einmal mag es geboten erscheinen, die selbe Antwort wie auf die Fragen „Papaaaaa, wozu braucht man Kondome?“, „Papaaaaa, wieso werden immer nur Bayern oder Dortmund Meister?“ und „Papaaaaa, wieso darfst du immer ‚Scheiße‘ sagen und wir nicht?“ zu geben. Ein saloppes „Das erkläre ich dir, wenn du älter bist“ und dann einfach hoffen, dass die kleinen Racker ein ähnliches Gedächtnis haben wie man selbst. Anders als die letzten drei Fragen, deren Antworten wir meist sehr genau kennen, beschäftigt uns die Ausgangsfrage aber häufig selbst.

Wir bilden dich. KW 38 - Kennst du den Mythos?

Im Gegensatz zu den Kindern sind wir zwar meist in der Lage, den Begriff ‚Mythos‘ zu definieren; dieser beschreibt in der Regel eine nicht genau belegbare Überlieferung, sprich, sind die Zeitzeugen erstmal tot, wird ein wenig Fantasie in die vermeintliche Realität gemischt und alles wird meist toller und besser oder auch mal schlimmer und grausamer als es wirklich war. Aber wer kann denn bitte genau benennen, was der Mythos vom Schalker Markt ist, und vor allem, warum „wir“ das Geschehene als solchen begreifen?

Das Wort „wir“ im letzten Satz ist der Schlüssel zur Antwort, denn ein der vielen Definitionen sagt, dass ein Mythos die Vorgeschichte eines Volkes erzählt. Und eben da gilt es wohl anzusetzen. Als Schalker gehört man einem Volk an, und dieses hat eine Geschichte, die wiederum am ‚Schalker Markt‘ stattfand und deren Zeitzeugen allesamt dahin sind. Doch es gab keinen Götterboten, der Willy Gies im Traum erschien und befahl, einen Verein zu gründen, und keine brennenden Büsche, naja, zumindest keine aus denen irgendwelche Steintafeln mit den wichtigsten Fußballregeln resultierten. Zumindest gehe ich stark davon aus. Eine Zechenhaussiedlung, ein paar Halbstarke, ein Hinterhof, ein Objekt, dass einem Ball glich, eine Vereinsgründung, fast 110 Jahre Geschichte und eine generationsübergreifende, virale Liebe. Fertig ist der Mythos vom Schalker Markt.

Das ist genau so simpel wie unbefriedigend. Denn wie weit soll man sein eigen Fleisch und Blut denn desillusionieren? „Mythos? Ach, das ist nur ein schöneres Wort für Geschichte!“. Nee, das geht nicht. Deshalb empfiehlt das Web 0.4 dringend folgende Antwort: „Das erkläre ich dir, wenn du älter bist“. Danke!

Lesen Sie irgendwann in den nächsten Wochen: Wie erkläre ich meinem Kind den „Schalker Kreisel“.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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