Wir bilden dich. KW 36 – Griechisch

In unserer heutigen Griechischstunde möchten wir über ein Phänomen reden, ohne das die Menschheit ziemlich einsam wäre. Die Rede ist vom Mythos. So fern wir auf der Welt auch voneinanscher verschieden sind, – lassen wir mal den Schnickschnack um globalen Markt beiseite – so verbindet die Menschen das Verlangen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Nichts anderes tut der Mythos. Er ist ein Ordnungsmodell für Dinge, die nicht immer durch die Wissenschaften zu beweisen sind. So befindet sich im japanischen Schöpfungsmythos am Ursprung der Welt eine große Ursuppe, die zunächst Berge und Seen hervorgebracht hat und irgendwann gab es eine Kraft, die in der Suppe kräftig umgerührt hat und das Ergebnis war: Bewegung und Materie. Die Chinesen erzählen sich Chosen von der bekannten Tattoo-Sünde (Ying&Yang) die als kosmisches Prinzip rumgewirkt hat, dann nach 18.000 Jahren einen dicken Mann namens Pangu erschuf, aus dessen linkem Auge die Sonne, dem rechten der Mond und dann aus seinen Haaren die Bäume und der ganze Rest vom Schützenfest herausfiel.

Dass solche Welterklärungen immer mit lustigen Göttern und Geschichten gespickt sind, lockt heute kein Kind mehr vor dem Fernseher hervor. Spannend wir es erst, wenn wir schauen, welche Mythen es noch in unseren Alltag geschafft haben?

Wir bilden dich. KW 36 - GriechischKneipenschlägereien, Fressepolieren bei Derbys, Beinchenstellen in der Bierschlange,… wer kennt das nicht? Aber haben diese Spieltagsphänomene etwa einen mythologischen Grund? Haben Sie! Die griechische Mythologie hat viele Götter, wie auch der Franzos, jede Soß. Mindestens einen für Schönheit und Sexy Times (Aphrodite), einen für Träume und Betäubung (Morpheus), einen für´s Saufi Saufi (Dionysos) und und und. Die Griechen wären keine Griechen, hätten sie nicht auch einen Zuständigen für Fußballpöbeleien: es ist Bia, der Gott der Gewalt! Der bildungsnahe Web 0.4-Leser schließt natürlich sofort auf das klanggleiche Hobbygetränk der Sportliebhaber Bia = Bier. Wir stellen fest, der Aggressor für Fußballgewalt ist der Gott der Gewalt Bia, der sich tagtäglich im alkoholischen Durstlöscher verflüssigt hat und von Spieltag zu Spieltag sich ins Fäustchen lacht. Man sieht, Mythos und Fußball sind enge Brüder.

Aber es geht noch weiter.

Der Mundschenk der Götter war Hebe, Göttin der Jugend, welcher ein bis heute noch lobenswerter Job zuteil wurde: Mundschenk. Als erste Kellnerin der Welt benetzte sie trockene Kehlen, sorgte für bierselige Stimmung und selbstverständlich hat sich ihr Name auch in den heutigen Sprachgebrauch junger und alter Fußballfreunde niedergeschlagen. Etymologen der Hagemann School of Applied Linguistics haben herausgefunden, dass der Ausdruck „einen Heben“ auf die Göttin Hebe zurückzuführen ist.

Immernoch nicht überzeugt? Dann schmecket dies:

Der Götterberg Olymp ist Namensgeber des griechischen Fußballclubs Olympiakos Piräus. Kyriakos Papadopoulos spielte bei diesem Verein, bevor er zum FC Schalke wechselte. Kyriakos trägt in seinem Namen den orthodoxen Cyriacus in sich, der in der Mythologie als Arzt und später in der christlichen Theologie als einer der 14 Nothelfer beschrieben wurde. Und was, bitte, liebe Schalker, tut unser Papa denn anderes, als „hinten helfen“ und seine olympischen Trainingserfahrungen auch in die Offensive zu stecken? Bitte. Und jetzt singe noch einer, er kenne den Mythos vom Schalker Markt.

Und jetzt, Hefte zu. Schluss mit den Mythen des schalker Fußballs und ab auf einen leckeren Fleischteller Aristoteles zu unserem Lieblingsgriechen. Whuoppa!

Strom Hagemann

Strom Hagemann

Poesiebeauftragter a.D. und Gründungsmitglied
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