Von der Maas bis an die Memel

Was sind ADO (nicht Ajax), Arsenal, Benfica, Bohemians und Brondby, was Dinamo, Djurgardens IF, Galatasaray und HSK, was denn Lazio und Legia, Levski und Lokomotiva, Olimpija und Olimpik, was Palathinaikos, was Rapid, Real und Roter Stern, Steaua, Slavia, Slovan, Spartak, St.Germain, Union, was Valur und Valerenga, und auch die Young Boys?
Richtig. Fußballclubs europäischer Hauptstädte in den ersten Ligen ihrer Länder.
Und was ist Hertha?
Eine Wurst.

Jetzt mal abgesehen vom westlichen Nachbarland Belgien, zu dem in vielerlei Hinweis einige Verwandtschaft besteht, so zum Beispiel in den Farben der Nationalflagge, und in dessen erster Liga, der Jupiler, sich nach meiner Kenntnis seit 3 Jahren, seit dem Abstieg des FC Brüssel, ebenfalls kein Club der Hauptstadt, der europäischen Metropole, mehr befindet – jetzt also mal davon abgesehen: Das ist schon eine Besonderheit der Bundesliga, ohne Berliner Verein dazustehen.
Ich persönlich sage dazu: Von mir aus.
Interessant dagegen finde ich mal aktuell den folgenden Überblick über die Regionen, aus denen die deutschen Vorzeigevereine stammen.

Der Norden
hat derzeit kaum etwas Vorzeigbares für ganz vorne. Die beiden angeblich Großen stümperten in der Spielzeit vor sich hin. Dass Werder dabei vor dem HSV landete, werden sie wohl selber kaum bemerkt haben. In Wolfsburg läuft man künstlichen Ansprüchen hinterher. Einzig die 96-er dürfen stolz auf das Erreichte und inzwischen sogar Beständige sein: Hannover ist die Nummer eins im Norden. Sonst ist nicht viel zu holen. Auch in der zweiten Liga liegen nur noch St.Pauli und Eintracht Braunschweig auf der Lauer, zwei Teams von 18, mehr nicht. Meisterschalen werden wohl für einige Jahre nicht mehr über den (Hier wollte ich schon fatalerweise „Rhein-Herne“ sagen…!) Dortmund-Ems-Kanal nordwärts transportiert werden müssen.

Der Osten
ist nicht mehr erstligatauglich, noch nicht einmal, wenn wir die Hauptstadt mitzählen. Eine Wurst. Das ist sehr schade, aber über die inzwischen vielen Jahre nur logisch. Immerhin halten in der „Zweiten“ noch 4 ostdeutsche Clubs, Hertha exklusive, das Fähnchen der fünf Bundesländer hoch, die schon seit einem knappen Vierteljahrhundert „neue“ heißen. Insgesamt eine Profifußballwüste.

Der Westen
ist spitze. Vier Vereine liegen auf den Plätzen 1 bis 5. Ein Club ist ab-, ein anderer dafür aufgestiegen. Die fünf Erstligavereine wurden also Meister, einmal ganz und einmal vielleicht CL-Teilnehmer, 1x Euro-League-Teilnehmer. Für diese Clubs (nur 5 von 18!) wurden knapp 30% aller Erstligatore in der letzten Spielzeit erzielt. Unter den ersten 11 in der Torschützenliste befinden sich 7 aus dem Westen (inklusive 2 Schalker), in der Scorer-Liste sind es 6 (ebenfalls inklusive 2 Schalker). Das darf gerne alles so bleiben. – In der zweiten Liga tummeln sich allerdings nur noch vier weitere Clubs: Da dürfen gerne die einen oder anderen (wieder) aufsteigen und auch von unten nachrücken. Vorzeigefußball hierorts also, dahinter wird’s dann leider dünn.

Zur Mitte wären geografisch vielleicht zwei Frankfurter und ein Mainzer Verein in beiden Ligen zu zählen – sonst niemand. Nennen wir den Rest also insgesamt mal
den Süden.
In der ersten Bundesliga spielen 9, in der zweiten 7 Vereine aus den Südstaaten. Das ist die Hälfte, die große Menge. Deutschlands (weiter) Süden bietet die breitest verteilte Macht im DFL-Gebiet. Gut, ein Vize ist dabei, zwei Auf- bei einem Absteiger, in der zweiten Nachschub von unten… Das lässt sich sehen. Vor allem sind auch die Neueinsteiger im Süden am weitesten verbreitet: Aalen, Ingolstadt, Sandhausen, Regensburg… Auch Augsburg zählt dazu. Aber in der Gesamtheit finden sich die meisten dieser Clubs, in der „Ersten“ von Freiburg über Hoffenheim bis Nürnberg, im Moment lediglich im Mittelfeld wieder. – Anwärter, der geballten westdeutschen Fußballmacht auf Dauer wieder entgegentreten zu können? Die Münchner, vielleicht. Ansonsten: Obacht auf den VfB Stuttgart.

So viel zur derzeitigen deutschen Fußball-Geografie.
Und apropos Memel. Der litauische Hauptstadtvertreter ist Vize der A-Lyga und heißt Zalgiris Vilnius. Rein vom Klang her mein neuer internationaler Liebling.

André

André

Fakten:
Zwischentonbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang erster Bühnenauftritt der Stones | Erster Verein: Rot-und-blau, W-S-V, und als Aktiver: königsblauer Delbrücker Spochtclub | WohnHAFT in Dortmund | Würde niemals in Lüdenscheid wohnen wollen | Hat das Consol Theater in Gelsen-kirchen mitgegründet, direkt neben dem Logo des Web 0.4 | unvergessliche Paraderolle: der blinde Trainer Otze Hirschregen
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