Mein Bilbao

Ich bin weit davon entfernt, ein Baske zu sein. Es ist aber schon so, dass meine Kinder baskische Namen tragen. Dass mein Küchenfenster nicht von einer Gardine, sondern von einer Ikurriña, der baskischen Flagge, bedeckt wird. Das rote Familienauto, mit dem ich lange durch die Gegend fuhr, verzichtete auf einen Schalke-Aufkleber. Aber ein Baskenland- und ein Athletic Club-Aufkleber waren angebracht. Meine Schalke-Tassen stehen brav in der Vitrine. Kaffee trinke ich morgens meist aus einer Athletic Club Tasse. In meinem Schrank findet man Trikots & T-Shirts mit eindeutigen Wappen.

Ich bin kein Baske. Aber ich habe mich lediglich in eine halbbaskische Familie eingeheiratet. Das Baskenland fasziniert mich: Die Berge, die das Meer küssen, die Menschen, die trotz jahrzehntelanger Unterdrückung ihr Leben so genießen wissen und, ja, auch dieser Fußballclub. Oft weiß ich nicht, ob ich den übertriebenen Patriotismus in der Region schätzen oder verachten soll, schließlich wurde ich doch vollkommen anders sozialisiert. Doch ich bin mir fast sicher: Wäre ich Baske, ich wäre vermutlich auch stolz darauf.

Das mein Verein nun gegen Bilbao spielt ist eine Herzenssache. Ich habe diese Partie von Beginn des Wettbewerbs herbeigesehnt. Als klar wurde, dass Bilbao gegen Man Utd. spielen muss, habe ich sie mir abgeschminkt. Jetzt ist sie da. Jetzt ist sie real, und ich kann nicht hin. Ticketpreise & Ferienzeit (und somit Flugpreise) machen mir den Besuch des Auswärtsspiels unmöglich. Gut fühlt sich das nicht an.

Es werden zwei besondere Partien für mich. Und doch: Was den Ausgang der Spiele anbelangt, tickt mein Herz aber nur in eine Richtung. Und zwar im Takt unseres Vereinslieds.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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