Julian und die Schalker Jugend

Julian Draxler ist zweifellos ein Vorbild. Ein Vorbild für all diejenigen Spieler, die derzeit in den Jugendmannschaften unseres S04 dem Ball hinterherjagen. So viel kann man sagen: Julian hat es geschafft. Er gehört zum Profi-Kader, ist fast Stammspieler und seine Entwicklungskurve steigt und steigt. So weit, so schön.

Die aktuelle Entwicklung ist erfreulich und bemerkenswert für einen Verein, der immer schon auf die Jugend gesetzt hat oder es zumindest in der Öffentlichkeit verbreitet hat. Mit Ralf Fährmann, Lars Unnerstall, Tim Hoogland, Benedikt Höwedes, Alexander Baumjohann, Levan Kenia, Joel Matip und eben Julian Draxler stehen acht Spieler im Schalker Kader, die jung sind und aus der eigenen Jugend stammen – wenn auch bei einigen mit Abstrichen und vor allem mit kurzen Abstechern.

Und wie war das früher? Gab es da nicht auch schon die legendäre Schalker Jugend. Früher meint jetzt nicht längst vergangene Zeiten, in denen Schalke Meistertitel holte. Früher meint in diesem speziellen Fall den Beginn der königsblauen Erinnerungen des Autors. Am 24. Juli 1976 holte die A-Jugend unseres Vereins einen Deutschen Meistertitel mit Spielern wie Peter Sandhofe, Wolfgang Reichel, Helmut Giorka, Klaus Santanius oder Thomas Lander als Kapitän. Kennt ihr nicht?

Mit Ulrich Bittcher, Matthias Schipper und Norbert Dörmann gab es noch drei Kicker, die später in der Bundesliga eingesetzt wurden. Aber sonst? Viel ist in den Schalker Geschichtsbüchern nicht von der damaligen A-Jugend geblieben.

Ähnliches gilt auch für die B-Jugend, die zwei Jahre später den nationalen Titel holte. Warum? Vielleicht weil sich der Verein dann doch lieber auf „erfahrene Spieler“ gestützt hat und dreimal in die 2. Liga abgestiegen ist? Vielleicht aber hat es dann doch nicht gereicht für die Jungs von damals. Vielleicht waren sie nicht gut genug. Aber vielleicht haben sie auch einfach keine Chance bekommen. Das gehäufte „vielleicht“ deutet es schon an: Eine Antwort werden wir nicht bekommen.

Besser sieht es da schon mit der Meistermannschaft von 2006 aus, die am Lüttinghof in Gelsenkirchen den FC Bayern (mit Mats Hummels, Thomas Kraft und Sandro Wagner) 2:1 schlug. Ralf Fährmann steht dort in den Annalen, Benedikt Höwedes und Sebastian Boenisch (heute in Bremen) und dann noch ein gewisser Mesut Özil. Kein schlechter Jahrgang, auch wenn man Giuseppe Pisano (den Torschützen zum 1:0), André Kilian, Salih Altin oder Tayfun Pektürk heute vergeblich in den Kicker-Sonderheften sucht. Wird es wirklich besser?

Wie also geht es weiter mit dem S04, wie wird ein solcher Artikel in 04, 10, 15 oder 20 Jahren aussehen? Wird unser ganzes Team dann mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs besetzt sein? Kommt der neue Weltstar aus der Schalker Jugend? Fragen, die unbeantwortet bleiben – noch. Doch, bei aller Kritik an der Jugendarbeit, die Zeichen stehen auf grün, die Weichen sind gestellt. Benni Höwedes, Ralf Fährmann, Joel Matip und Julian Draxler haben es vorgemacht – Schalke kann von einer guten Nachwuchsarbeit profitieren. Wenn alle an einem Strang ziehen und man in ruhigem Fahrwasser an den kommenden „Stars“ feilen kann.

Die erste Etappe ist mit dem Umbau des Trainingsgeländes bereits absolviert, auch wenn die Zielankunft noch ein wenig auf sich warten lässt, nicht mal ein erster Spatenstich getätigt wurde. Doch das Engagement der Verantwortlichen ist enorm. Die Reisen diverser Jugendteams zu den Europa-League-Spielen stehen dem Verein gut zu Gesicht. Vor allem die Spieler erweitern dabei ihren Horizont und erleben einen Zusammenhalt, wie es ihn in nicht vielen Vereinen gibt. Und das können sie den Fans irgendwann zurückzahlen – in der Arena und in den Fußstapfen von Julian Draxler.

Dies ist ein Gastbeitrag von Bernd (Schalker71). Das Web 0.4 sagt Danke!

Bernd

Gastautor und Schalke-Insider