Alles außer 5:0 ist scheiße

Ja, Glanzleistungen sehen anders aus. Spielerische Überlegenheit ebenfalls. Gleichwohl Souveränität. Und doch hätte ich 90 Minuten lang zufrieden vor mich hin lächeln können, wären mir nicht so viele Leute dermaßen auf den Sack gegangen, die nichts besseres zu tun hatten, als ihrem ganzen Frust freien Lauf zu lassen, keine 1000 Meter von dem Platz entfernt, wo einst die besten Fans der Welt jeden noch so schmutzigen Punkt ihres Teams frenetisch feierten.

Der FC Schalke ging nicht nur als die Mannschaft in die Partie, die die letzten beiden Ligaspiele sang- und klanglos verloren hatte, während sich der HSV wenigstens bei der „großen“ Borussia aus Gladbach einen Punkt erstreiten konnte, nein, der FC Schalke war auch die Mannschaft, die noch 3 Tage zu vor einen ziemlich brotlosen und frustrierenden Trip in jenen Nachbarstaat unternahm, der mit seinem äußerst wichtigen Länderspiel unseren Torjäger für genau diesen Zeitraum auf dem Gewissen hatte. Und das trotz all dem Profi-Dasein der ein oder andere Gedanke schon an den nächsten Donnerstag verschwendet wird, sollte ebenfalls verständlich sein.

Auch der Ausfall vom jungen Stammverteidiger und Zweikampfmonster Kyriakos Papadopoulos, der in der Vergangenheit stets der bessere Partner von Metze und Matip war, verhieß nichts gutes, weshalb die Vorzeichen vor der Partie eigentlich nicht auf „Machen wir schon“ standen.

Schalke startete gut, so wie in fast jeder Partie, doch wer wenn nicht wir weiß, dass das nichts zu heißen hat. Um so erfreulicher war es, dass schon sehr bald das 1:0 nach einer herrlichen Hereingabe und einem noch herrlicheren Kopfball fiel. Und wie erfreulich erst, dass man in der Phase des obligatorischen Nachlassens trotzdem nachlegen konnte und nach einer ebenso herrlichen Ecke mit einem ebenso noch herrlicheren Abschluss aus dem Zentrum des Strafraums das 2:0 erzielte.

Die Krone auf diese beiden Treffer setze der Fakt, dass mit Uchida, Pukki, Jurado und Metzelder ausgerechnet die Spieler ihr Scorer-Konto verbesserten, die bei einer gesunden und voll einsatzfähigen Mannschaft normalerweise die Ersatzbank warmhalten. Ein dickes Grinsen zierte nun das nicht unbedingt schmalere  Bloggergesicht und der Rest des Spiels war Kür. Dass das 3:0 fiel war umso erfreulicher, dass Hamburg nach mehren guten Versuchen noch vor der Halbzeit einnetzte ziemlich egal.

Trotzdem schien ich mit dieser Freude in der Halbzeit allein da zu stehen. Und auch während der zweiten Hälfte der Partie, in der Schalke nicht nur das Ergebnis mit letzter Kraft verteidigte, sondern auch noch vereinzelt zu guten Chancen kam, regte man sich lieber über die fehlenden Offensivqualitäten unserer 13 und den ein oder anderen Fehler des Platzkükens auf. Ein Platzküken übrigens, dessen grandiose Verhinderung des 3:2 auf der Torlinie – wie auch viele andere gute Aktionen – eher nicht gewürdigt wurde.

Nun haben wir zwei Punkte Punkte weniger geholt, als zum selben Zeitpunkt in der Hinrunde, können aber gegen Lautern, gegen die wir uns in der Hinrunde ja eine der beiden Heimniederlagen einhandelten, wieder aufholen. Doch vorher kommen unsere Freunde aus Twente. Und da bin ich bei euch: Gegen die wird diese  Leistung nicht reichen…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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