Twee clubs, twee kleuren, één passie

Wenn man in einem Ort aufgewachsen ist, der so weit im Westen Deutschlands liegt, dass man sowohl in Richtung Norden als auch in Richtung Westen früher oder später auf die Niederlande trifft, bleibt es nicht aus, dass man schon das ein oder andere mal da war. Venlo, Enschede, Winterswijk, manchmal auch weiter rein; beispielsweise Amsterdam oder Den Haag. Erst waren es Ausflüge mit den Eltern, später trieben mich andere Dinge dorthin.

Ich war schon vieles in Holland: Kunde, Partygast, Jugendfußballturnierteilnehmer, Gegner (rein sportlich), Opfer (ganz unsportlich), Tourist, Zu-Unrecht-In-Polizeigewahrsam-Genommener, Fast-Ertrunkener, minderjähriger Videospiel-Automaten-Junkie, Konzertbesucher, Muschelsucher & Falschparker. Vermutlich sogar noch vieles mehr. Eins war ich nie: Zu Hause.

Gestern war ich in Enschede. Wenn ich früher in Enschede war, eine Autostunde weit von meinem Heimatort entfernt, war ich dort  vor allem Deutscher. Ein Tourist. Jemand, der Geld bringt und dann gerne wieder gehen darf. Für jemanden, der damals noch hart mit seiner hässlichen Nationalität gehadert hat war das kein leichtes Brot.

Twee clubs, twee kleuren, één passie

Doch gestern, und das hat man mich vom Ende der Polizeieskorte auf der Hinfahrt bis zum Abschied aus den Niederlanden spüren lassen, war ich ein Freund. Ein Schalker. Einer wie sie. Alle waren freundlich. Keine bösen Blicke vor oder nach dem Spiel. Kein Neid, kein Hass, keine Gewalt, sondern einfach Fußball. Zudem eine Vak-P-Choreografie die so manchen Bundesliga-Klub verdammt alt aussehen lässt und eine Kurve, die nach dem Spiel geschlossen den Gegner – den FC Schalke 04 – besingt. Gänsehaut! Großartig!

Ich wünschte es gäbe mehr dieser Inseln und hoffe, dass wir nächste Woche ein ähnlich guter Gastgeber sein werden. Aber nur neben dem Platz, versteht sich.

Zwei Klubs, Zwei Farben, Eine Leidenschaft. Danke, Twente.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)