Aber wir waren besser!

Der FC Schalke 04 hat sich Remis von den Mainzer Gästen getrennt. Nun tröstet sich der ein oder andere damit, dass wir „eigentlich besser gespielt“ hätten, oder zumindest Ansätze zu sehen waren, der andere ärgert sich darüber, dass man letztlich wichtige Punkte hat liegen lassen. Und überhaupt, was heißt eigentlich besser? Ein Unentschieden bedeutet doch erst einmal, dass keine Mannschaft besser als die andere war, oder? Oder müsste man sich bei einem solchen Spielergebnis einfach den Spielverlauf genauer anschauen, um eine bessere Mannschaft auszumachen. Doch auch das zieht einige Probleme nach sich:

Problem 1: Effizienz

Was macht ein gutes Team aus? Ist ein Team besser, das Chancen am laufenden Band kreiert, und letzlich nur eine Bude macht, oder ist ein Team besser, dass eine der wenigen Chancen nutzt? Die Frage nach diesem Faktor ist wohl stark von Problem Zwei abhängig.

Problem 2: Nominelle Stärke

Stehst du oben, kämpfst du mit Erwartungen. Du bist einfach der Favorit und kannst nur verlieren. Bei einem Remis bist du dieser Rolle nicht gerecht geworden. Stehst du unten, ist ein Remis gegen einen aus trockeneren Tabellengefilden natürlich ein Erfolg.

Problem 3: Konstanz

Wieder eine Frage, was besser sei. 90 Minuten 90%, oder einmal die 110%. Bei Spielen wie in Köln und Mainz ist die Frage schnell beantwortet, bei einem Remis schwingt aber immer das Gefühl mit, dass man mit etwas Gas am Anfang dass Spiel eben sicher gewonnen hätte. 

Problem 4: Heimrecht

Zu Hause muss man gewinnen. Naja: Wenn Klaas das sagt… Eine der Mannschaften hat aber immer Heimrecht. Richtiger wäre der Halbsatz wohl mit dem Zusatz „wenn man Meister werden will“.

Sprich: egal ob wir besser waren oder nicht, wir waren nicht gut genug für höchste Ansprüche. Für meine Ansprüche indes war es eher schade, weil die Zwei Punkte am Ende ja theoretisch zu jedem Ziel fehlen könnten. Wir stehen aber nach wie vor auf Platz drei und ich bin mir sicher, dass wir angesichts der nächsten schweren Gegner gut damit fahren, nicht als Erster oder Zweiter aufzulaufen.

Natürlich kommt das Glück hinzu, Gladbach auf Mini-Distanz gehalten zu haben. Denn genau dass sollte auch weiterhin unser Ziel sein: Den dritten Platz behaupten. Überhaupt ist der dritte Platz nach dem ersten aus finanzieller Sicht der erstrebenswerteste, da sich – wie man hört – die Prämien/Einnahmenwaage bei einem Zweiten Platz nicht sehr weit nach rechts beugt. Und Vize waren wir ja schon reichlich…

Die nächsten Partien (Gladbach, Pilsen, Wolfsburg, Pilsen, Bayern) haben alle sowohl ihren ganz eigenen Reiz, wie auch ihre ganz offenbare Schwierigkeit. Während gegen Pilsen ein Weiterkommen das einzige Ziel sein kann, sollten 4 Punkten aus den 3 Ligaspielen durchaus zufrieden sein. Denn damit hätten wir sogar zwei Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde.

Ebenfalls als Positiv ist sicher die Rückkehr von Farfán zu bewerten, auch wenn seine Leistung allerhöchstens ein Teaser seines Könnens war. Mangelte es uns im Mittelfeld in den letzten Jahren immer an Offensivkräften, haben wir nun mit Obasi, Farfán, Draxler, Jurado, Raúl und Holtby ein echtes Luxusproblem, dass sich wohl schon bald in Toren niederschlagen wird.

Das Tor von Obasi darf auch nicht unerwähnt bleiben. Einfach der Wahnsinn, dass er vor heimischen Publikum mal eben zeigte, was wir noch von ihm erwarten durfte. Doch auch sonst fand ich unser Offensivspiel nicht so schlecht, wie Sportschau und Co. es nachher haben aussehen lassen.

Kurz: Alles ist gut!

Dass ein Spiel bei unserem nächsten Gegner aber kein Zuckerschlecken ist, wissen wir nicht erst seit kurz vor Weihnachten. Schalke hat jedoch einen enormen Vorteil, den man sich zu Nutze machen muss. Klar: Wir haben diese Woche Spielfrei. Auch wenn die breite Brust sowieso auf unserer Seite sein sollte: Man könnte sicherheitshalber ja doch mal auf ein Elfmeterschießen am Mittwoch in Berlin hoffen…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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