Der dumme Schalker

Ein Schalke-Fan ist arbeitslos. Nein: Langzeitarbeitslos. Das hat weniger mit der Arbeitsmarktsituation im tiefen Westen zu tun als viel mehr mit der fehlenden Arbeitsbereitschaft. Ernähren tut der Schalkefan sich von billigem Bier, dass er am allerliebsten schon morgens um sieben am Kiosk seines Vertrauens zu sich nimmt. Diese Form der Ernährung rührt vor allem daher, dass der gemeine Schalkefan kaum noch Zähne im Mund hat. Sprechen kann der Schalkefan indes kaum; er macht eher lallende Geräusche. Augenzeugen berichten jedoch, dass sie sich mit diesen Lauten untereinander Verständigen können.

Der Schalkefan hat entweder sehr kurze Haare, oder trägt eine VoKuHiLa. Die Kleidung des Schalkefans ist seiner Erwerbstätigkeit angepasst: Joggingbuchse, Trikot, und gerne auch im Hochsommer einen blau-weißen Schal. Gelbes meidet der Schalkefan komplett. Einzige Ausnahme: Die Fanta, die er seinen Nachkömmlingen schon morgens im Erwin-Fläschchen reicht. Denn sein Todfeind ist der Borusse aus dem Sauerland, der diese Farben trägt. Sieht der Schalkefan ein Exemplar dieser Spezies, fängt er wild zu fluchen, zu schubsen, und zu schlagen an. Auch vor Rollstuhlfahrern soll er angeblich hierbei keinen Halt machen!

Dennoch ist der Schalkefan kein unkontrollierbares Wesen. Er ist mit seichtem Schalkeschlager, Tönnieswurst und Gerstensaft in rauen Mengen einfach zu besänftigen.

Das mag überzogen sein. Aber dieses Bild ist – zumindest in Ansätzen – in der Anhängerschaft der anderen Bundesligaclubs weit verbreitet. Vielleicht auch nicht ganz zu Unrecht, denn da sind schon einige Originale in der Kurve zu treffen. Aber: In welchem Stadion denn bitte nicht? Warum wird die andere Seite des Klubs so selten beleuchtet? Dass es diese gibt, wird doch wohl niemand bestreiten wollen, oder? Ich zum Beispiel sehe mich als Teil eines Beispiels!

Denn Schalke ist meines Erachtens der Club mit der – mit Abstand – lebhaftesten Bloglandschaft im Netz. Und nicht nur das: So mancher Schalker kann sehr stolz auf ein gut gefülltes Bücherregal schauen, voll mit königsblauen Erzeugnissen von wahnsinnig kreativen Köpfen.

Worauf ich hinaus will: Ich werde oft gefragt, wie ich es aushalte, Schalkefan zu sein, und mit ebenjenen, im oberen Text beschriebenen, angeblich in Massen vorhandenen Volk Seite an Seite in der Kurve zu stehen. Ich sage es euch: Ich muss es gar nicht. Denn sollten Dreiviertel – und selbst das bezweifle ich – unserer Fanschar aus prolligen Vollpfosten bestehen, reicht der Rest zu 80%er Wahrscheinlichkeit immer noch aus, um das jämmerliche Stadion deines unbedeutenden Vorortclubs gut zu füllen.

Auch wenn ich kaum eine Meinung mit dem Gr0ßteil der Leute teile, und auch, wenn ich lieber die Lokalmatadore als die Florians hören würde, und auch, wenn ich mir wünschen würde, dass DJ Dirk die „Danke, Bitte“-Scheiße durch was originelleres ersetzt, und auch wenn ich lieber auch ein Vegetarierfreundlicheres Essensangebot als immer den selben Fraß sehen würde,  und dass alles zu faireren Preisen, und auch, wenn ich einigen Leuten vor, hinter oder neben mir am liebsten für ihre dämlichen rassistischen Sprüche ins Gesicht spucken würde:

Ich bin stolz ein Schalker zu sein, und fühle mich pudelwohl als Solcher!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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