Essen wie bei Papa

„El Greco“, „Aphrodite“, „Zeus“, „Molos“, „Artemis“, „Mykonos“, „Korfu“. Die Liste der griechischen Imbissbuden, die ich heute auf meiner Fahrt zu einem Selbigen passierte, ist noch ungleich länger. Mein Ziel aber war der „Hellas Grill“. Nicht etwa der Hellas Grill, der noch zwei Stunden bevor ich diesen Satz schrieb der Hellas Grill war, sprich der im Schatten unserer geliebten Turnhalle, nein, der „Hellas Grill“, der nun der Hellas Grill ist.

Dieser jener Hellas Grill befindet sich in kaum einem Schatten. Viel mehr findet man ihn in Suderwich. Suderwich, das ist jener letzter Zipfel von Recklinghausen, der sich mit wohlklingenden Ortschaften wie Oer-Erckenschwick, Castrop-Rauxel und Datteln umgibt. Mir fällt spontan kein guter Grund ein, Suderwich einen Besuch abzustatten. Sehenswürdigkeiten wird man wohl keine finden. Außer eben dem Schnellimbiss, dessen Besichtigung  mir unser Leser @OnkelJK angesichts unserer Themenwoche angeraten hat.

So landete ich also nach einstündiger Fahrt endlich vor der Lokalität und ärgerte mich ein wenig über die bereits eingetretene Dunkelheit, die mir das Abringen eines ordentlichen Fassadenfotos mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln – ich nenne es mal Smartphone – nahezu unmöglich machte. Doch egal, ich konnte das Eintreten in den vermeintlichen Tempel eh kaum Essen wie bei Papaerwarten. Es überraschte mich kaum, dass ich zunächst einen ziemlich normalen Schnellimbiß – im Fachjargon auch Pommesbude genannt – vorfand. Eine Theke mit bemerkenswert freundlichem Personal, Geldspielautomaten, ein Stehtisch inklusive biertrinkendem, sympathischen Herren in Schlappen, ein Tisch in Thekennähe, noch unbesetzt, auf dem Zigarettenschachteln, Handys und andere persönliche Dinge des Personals lagen und ein Kühlschrank mit Getränken, der zur Selbstbedienung einlädt. Klingt, als hätte man auch in jedem anderen Städtchen der Republik eine ähnliche Lokalität aufsuchen können. Doch schon eine recht einfallslose Essensbestellung später hingen meine Blicke an der Wand über dem erwähnten Tisch. Fantastisch! Kyriakos an der Imbisstheke, Kyriakos bei der Vertragsunterzeichnung, Kyriakos auf Autogrammkarten, Kyriakos auf Zeitungsauschnitten und Kyriakos auf Postern. Ein wahrer Schrein.

Ich fragte die junge Bedienung, ob Papadopoulos sich denn hier öfters blicken lassen würde und erntete ein freundliches, aber bestimmtes „Klar! Verwandschaft“. Ich stutzte und setzte mich an meinen Tisch, um das wirklich leckere Essen zu genießen. Ich überlegte, wie diese hervorragend Deutsch sprechende Familie zufälligerweise in Schalke-Nähe eine Essen wie bei Papaalteingesessene Imbißbude führen kann, wo unser Held doch erst seit gut 18 Monaten hier ist, bis mir wieder einfiel, dass Magath schon damals bei Papas Verpflichtung anmerkte, wie gut der Spieler hier her passe, da er Verwandschaft im Ruhegebiet habe. Wäre es etwas leerer gewesen, oder ich etwas voller, hätte ich das nette Personal sicherlich noch etwas ausgequetscht. Ich beließ er bei der schüchternen Frage, ob ich ein Foto machen dürfe.  Ich durfte. Rahmen wurden sogar von der Wand genommen, damit ich sie besser ablichten konnte. Ein hinzugekommener Herr – ich vermute ihn als Inhaber, eventuell sogar als Vater der einen und Gatte der anderen netten Bedienung, doch da würde ich mich sicherlich zu weit aus dem Fenster lehnen  – erzählte noch, wie schade es sei, dass Kyriakos heute nicht da wäre, aber sie – die Mannschaft – flögen ja bereits am nächsten Tag in den Katar.

Essen wie bei PapaIch war nervös. Ich weiß gar nicht warum. Die unglaubliche Freundlichkeit (Entschuldigt diese Vehemenz) lud eigentlich dazu ein, noch auf ein Getränk zu bleiben. Ich aber ging, denn ich wollte schreiben. Noch auf dem Rückweg habe ich den klaren Entschluss gefasst, dass ich das Königreich Suderwich auf jeden Fall noch einmal aufsuchen werde. Bestenfalls mit einem kleinen Web 0.4 Präsent. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt von SLibs Geschichte werde ich mir aber lieber verkneifen!

Essen wie bei Papa

Für Interessierte (für Einheimische lohnt es sich schon allein wegen dem Essen):

Hellas Grill
Henrichenburgerstr. 164
45665 Recklinghausen
(montags Ruhetag)

 

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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