Schalklom aus Israel

Papa SLib hatte um Bericht gebeten. Und der Sohn hat dies brav ausgeführt. Dieser absolviert derzeit ein soziales Jahr im Weihnachtsland, in der Nähe von Haifa. Da lag es nahe, am 14. Dezember dem Schalker Gastspiel bei Maccabia beizuwohnen, zumal sich im Kreise der weiteren Mitstreiter vor Ort Gleichgesinnte fanden. Hier sein – etwas verspäteter, aber lesenswerter – Beitrag zu unserem Web 0.4:

Schalklom aus Israel,

hier eine Reihe Erlebnisse aus dem Kyriat-Elizier-Stadion in Haifa.
In israelischen Städten wie Haifa und Tel Aviv gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Mannschaften, die in der ersten Liga mitmischen. „Hapoel“ ist Hebräisch für Arbeiter und „Maccabi“ ist abgeleitet von den „Makkabäern“, Familie israelischer Freiheitskämpfer. Grundsätzlich sind diese Vereine, obwohl sie sich z.B. in Haifa ein Stadion teilen, eher fan-verfeindet. Da Israel in seiner Größe wohl putzig ist, muss man sich nun mit lauter „Hapoel“ und „Maccabi“ auseinandersetzen, um die Liga zu durchblicken.
Schalke traf jedenfalls auf einen Maccabiclub. Während der Busfahrt von meinem momentanen Wohnort habe ich mir noch ein bisschen Sorgen gemacht, keine Karten zu bekommen. Das Stadion hat ja nur 14ooo Sitzplätze und die Schalkekurve war heiß umworben. Schon Monate vorher gab es hier im Voluntärs-Block jede Menge Tamtam um die acht Karten, die für uns vorbestellt ausm Pott eingeflogen wurden. Ich habe es geschafft, nicht unter den Glücklichen zu sein, war aber dann froh, ganz easy wie jeder Maccabifan am Schalter ein Ticket zu bekommen, sogar für Blau und Weiß.
Im Bus haben wir auch den ersten Grün-Weißen Fan getroffen. Nachdem er die perfekte blaue Kluft von einem meiner Kollegen gesehen hatte, wurden seine Augen immer größer.
Er meinte dann zu ihm, er sähe aus wie Huntelaar und war stolz, als würde er mit diesem persönlich reden. Ein bisschen traurig waren alle Grünen, dass Raul nicht mit von der Partie war.
Auch später wurde immer wieder gefragt, ob wir nicht Schals tauschen könnten. Eine sehr nette Gastatmosphäre. Sein blauer Meisterschal war meinem Kollegen dann aber doch zu wertvoll. Auch unter der Hinsicht, dass wir hier noch mehr als sechs Monate leben, kein Andenken für einen vier Tage Fußballtrip. Man muss schließlich den BVB-Voluntären zeigen wo’s lang geht! – Auch das war ein Witz, den sich sowohl einige Deutsche als auch die Maccabi-Ultras „Green Monkeys“ erlaubt haben: „Ole, Ole, BVB!“ und zwischen Grün-Weiß an mehreren Stellen Gelb-Schwarz.
Ein Maccabifan wollte seinen Münchenschal von einem vergangenen Spiel gegen einen Blauen tauschen, musste dann aber feststellen, dass das nicht so gut ankam. Man hat sich nicht so ernst genommen unter den Maccabis, ich fand das sehr entspannend. Ein Freund von mir meinte, dass die Grünen im Großen und Ganzen gesünder aussähen als die Blauen.
Ich fand es jedenfalls verrückt, nach vier Monaten auf einem Platz zu stehen, wo zum großen Teil deutsch geredet wurde. Unsere Schalker waren etwas verschämt und mussten sich erstmal zurechtfinden, wie das hier mit Bier, Essen und Geld funktioniert. Wenn man schon ein bisschen an Schekel gewöhnt ist, dann lächelt man schräg bei der Frage, ob es noch eine Karte für 25€ gibt. Aber viele haben es doch geschafft, sich mit viel Fotogeknipse und Schalgetausche anzufreunden. Ein schönes Bild für mich war die lange Schlange vor dem improvisierten arabischen Grillstand, an dem es Hähnchenspieß mit Salat gab, wohl besser als matschiger Hotdog. „Schalkee Aainz, Maccabi Zwaai“ war die Voraussage des Fans im Bus, mit Augenzwinkern.
Wirklich schwierig hatte es die B-Mannschaft dann ja nicht. Nach 8 min. Eigentor und wenig gefährlichen Situationen der Grünen. Obwohl man sagen muss, dass lange Zeit spieltechnisch nicht viel passiert ist. Nach dem 2:0 in der 83. haben die Grünen noch einmal versucht das Tempo anzuziehen, eine Portion mehr Spannung. Dann noch ein gehaltener Handelfmeter von Hildebrand und das 3:0 in der Nachspielzeit, die Stimmung wurde weihnachtlich. „Ole, ole“ auf die Melodie von „Jingle Bells“ in Israel, verrückt.
Ein Krönchen war der Schluss. Nach dem Spiel sind die Blauen zu uns gekommen, was sehr gut geklappt hat, da die Blöcke sehr nah am Feld waren. Ein Trikot habe ich leider nur fast gefangen.
„Um die halbe Welt sind wir gefahrn und immer wieder feuern wir euch aan… Von der Elbe bis zum Jordan…“

Liebe Grüße und frohe Weihnachten,
euer Caspar
Voluntär in Israel für ein Jahr

Mehr zur Israel-Reise der Schalker liest man gut und gerne bei tommes04.

Letzte Artikel von Gastbeitrag (Alle anzeigen)