Zu kalt.

Da liege ich in meiner eiskalten – weil momentan heizungslosen – Wohnung, etwas müde von einem Stadionbesuch bei der unglücklichen Fortuna am Vortag, und lasse mich vom Spiel meiner Mannschaft berieseln.

Schon die ersten Minuten versprechen ungefähr nichts. Gladbach kommt besser ins Spiel und schießt den verdienten Führungstreffer. In der Halbzeit lässt Gisdol mich wissen, dass ich den richtigen Blick hatte: Dass Mittelfeld soll mit Draxler gestärkt und das System auf 4-4-2 umgestellt werden. Ich fasse wieder ein wenig Hoffnung. Diese währte Sekunden. Ich dachte noch an einen Irrtum, als Schiri Stark die Rote Karte zückte. Weitere Sekunden später glaubte ich zu wissen, dass das Spiel gelaufen ist, denn Raúl schien die Rolle des nunmehr einzigen Stürmers nicht annehmen zu wollen.

Die Frage, wer denn jetzt Tore schießen solle, wenn Pukki und Huntelaar aus dem Spiel genommen wurden und Raúl im Mittelfeld rumkrebst, beantwortete mir der grandiose Julian Draxler. Genau wie ein Großteil der Mannschaft, war ich zum ersten Mal in diesem Spiel richtig dabei. Für ein gutes Sechstel des Spiels. Raúl hatte sogar nochmal eine echte Riesenchance, Unnerstall aber einfach keinen guten Tag. So vergoldete sich Reus den Tag mit einem weiteren Tor, und das Spiel war gelaufen.

Starr lag ich weiter da. Sah den fluchenden Papadopolous, der von Eichkorn beruhigt werden musste und den lachenden Raúl, wie er mit den Gladbachern scherzte. Schaute mir die Interviews an mit dem enttäuschten Draxler, dem unglücklichen Unnerstall und dem arroganten Reus (Bayernreif, der Gute). Eine wirkliche Gefühlsregung konnte ich bei mir nicht feststellen.

Eine Menge Gedanken flogen durch meinen Kopf. Ich dachte an Stevens. Daran, ob seine Anwesenheit einen Unterschied gemacht hätte. Oder ob ein Weiterkommen gar nicht so wichtig war. Mehr so wie ein sechstes Gruppenspiel. Eher lästig. Oder ob der Gute sich nun schwarz ärgert. Hatte er den Kopf in der Woche überhaupt frei um die Mannschaft auf das Spiel vorzubereiten? Auf der Pressekonferenz wirkte es zumindest nicht so.

Ich dachte, ob man vielleicht besser ins Spiel gekommen wäre, wenn man auf das Fest gegen Bremen verzichtet hätte und den umstrittenen aber gewohnten Ergebnisfußball gezeigt hätte?! War es vielleicht ein Fehler einfach genauso wie gegen Bremen zu beginnen? Das Spiel hat ihnen Favre doch bestimmt 1000 mal gezeigt!?

Währenddessen sah ich die Zusammenfassungen der anderen Partien. Ich freute mich für Kiel.

Ich dachte daran, dass jetzt Winterpause ist. Und das wir alle sie gut gebrauchen können. Ich fragte mich, was ich ändern würde? Wen würde ich abgeben. Wo wäre eine Verstärkung oder Alternative notwendig? Ich kam auf keinen Grünen Zweig, aber auf die Idee, euch zu fragen. Am Freitag.

Ich lauschte Herrn Scholl und stellte mal wieder fest, dass der FC Bayern wohl nie mehr einen so sympathischen Spieler hervorbringen wird.

Ich dachte daran, was ich im Blog zum Spiel schreiben würde. Ich fühlte mich doch so leer. Ein Glückwunsch an die besseren Gladbacher wäre wohl angebracht. Immerhin der beste Bundesligist dieser Pokalrunde.

Die Auslosung folgte. Ich hatte gar nicht das Gefühl das sehen zu wollen. Tat es aber trotzdem. Bayern in Stuttgart. Soso. Dortmund in Kiel. Pfff.

Ich dachte noch ganz kurz daran, dass „schalker71“ gleich Geburtstag hat, dass ich nicht immer jeden Satz mit ich beginnen sollte und dass ich vergessen habe, die Papadopoulos-Woche Anfang Januar anzukündigen, als ich den Fernseher ausmachte.

Ich schlief ein und träumte davon, wie ich in einer Thermounterhose auf der Rückbank von Stroms Auto schlief, während im Radio Slime lief.

Glück auf und Frohe Weihnachten!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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