Derbysieg!

Es gibt Spiele, die sind wichtiger als andere. Es gibt die sogenannten 6-Punkte-Spiele gegen Tabellennachbarn im Meisterschafts- oder Abstiegskampf, es gibt die Abende in der Champions League gegen Manschaften wie Inter Mailand oder Manchester United… aber kein Sieg fühlt sich so schön an, wie der im Derby gegen den ewigen Rivalen.

Gerade nach der Niederlage im kleinen Derby gegen die Borussia aus Lüdenscheid-Nord fieberte ganz Gelsenkirchen dem Spiel gegen den großen Rivalen aus dem Nordosten der Republik entgegen. Bereits Wochen vorher wurde am Schalker Markt über kein anderes Thema mehr geredet. Würde es die junge Schalker Mannschaft nach einer Saison ohne echtes Derby schaffen, mit der Drucksituation umzugehen und ein positives Resultat in Berlin zu erzielen?

Die Feindschaft der beiden Fangruppen ist seit jeher legendär. Wer erinnert sich nicht an die wochenlang ausschweifenden Feiern nach dem Abstieg der Hertha? An die Riesen-Choreo („Hey, was geht ab? Die Hertha steigt endlich ab“) in der Nordkurve? Und an die brutalen Ausschreitungen nach dem DFB-Pokal-Finale im Mai, als sich Hertha-Fans mit den Duisburgern verbündeten und den ganzen Tag über immer wieder Jagd auf friedlich feiernde Schalker machten?

Man erinnere sich: Schon als Huub Stevens damals, nach seinem Engagement auf Schalke, seinen neuen Vertrag in Berlin bekannt gab, war der Aufschrei bis in die entlegensten Winkel der Welt zu hören gewesen: „Ausgerechnet Hertha!?“, hieß es aus hunderttausenden Schalker Kehlen, die von Stevens Wechsel zum großen Rivalen an der Spree in tiefster Seele getroffen waren. Bei der damaligen Pressekonferenz waren Medienvertreter aus 241 Ländern anwesend. Ein Zeichen dafür, dass dieses Derby weit über die Landesgrenzen hinaus für seine Brisanz berühmt und berüchtigt ist. So gab auch Manuel Neuer jüngst zu Protokoll, dass er zwar zu den Bayern, allerdings „niemals nach Berlin“ gewechselt wäre.

Als dann auch noch Levan Kobiashvili – der am Freitag das ganze Spiel über mit Hasstiraden aus dem Schalker Fanblock bedacht wurde – nach 6,5 Jahren auf Schalke seinen Wechsel in die Hauptstadt bekannt gab, wurde aus der sportlichen Rivalität offener Hass. Blau und Weiß? Es konnte nur einen geben! Der Showdown im Olympia-Stadion. Huntelaar gegen Lasogga. Jones gegen Niemayer. Höwedes gegen Hubnik. Kampf und Emotion pur.

Wie durch ein Wunder beendeten beide Mannschaften – deren tiefe Feindschaft man auf dem Platz förmlich mit Händen greifen konnte – das Spiel mit je 11 Mann. Die deeskaliernde Taktik von Schiedsrichter Günter Perl aus Pullach kann an dieser Stelle gar nicht oft genug lobgepriesen werden. Durch ein massives Polizeiaufgebot wurde außerdem verhindert, dass wütende Berliner Fans – vom provozierenden Torjubel des Schalker Urgesteins und Siegtorschützen Teemu Pukki aufgestachelt – den Platz stürmten und das Spiel so zum totalen Eklat geraten würde. Zu diesem Zeitpunkt war das Sportliche sowieso bereits in den Hintergrund gerückt. Rund um das Stadion herrschte maximale Alarmbereitschaft.

Bürgermeister Wowereit (SPD) dankte am späten Abend noch den Ordnungshütern für ihren beherzten Einsatz und rechtfertigte auch noch mal das 24stündige Alkoholverbot in ganz Berlin und Umgebung. Nur so sei größerer Schaden abzuwenden gewesen, so der Politiker. Für das Rückspiel in Gelsenkirchen nächstes Jahr haben Berliner Fans bereits Racheaktionen angekündigt. DFB-Präsident Theo Zwanziger gab indess an, das Spiel an einer neutralen Stelle unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden lassen zu wollen. Ob sich die ewige Rivalität der beiden Vereine dadurch in den Griff bekommen lässt, steht allerdings in den Sternen.

David

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Modebeauftragter a.D.
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