Ersatzschütze, Schutzsatz und Haudegen

Ich war eine Dose. Ich bin zwei Öltanks. Dies sind drei Artikel. Und warum?
Weil der Autor sich nicht entscheiden kann zwischen dem Spiel in Hannover, der königsblauen Reflexion über das tabellarische Saisondrittel und, drittens, einem Schlagschatten auf die generelle Trainerschaft in Liga eins, bzw. die im Moment verklungene Diskussion darüber.

Teil eins, das Spiel.
Analysen überlasse ich anderen. Möchte aber gerne festhalten, dass mich selten ein Remis so gefreut hat wie das 2:2 in Hannover. Nicht etwa, weil wir es als Underdog einer Übermannschaft abgetrotzt hätten, auch nicht, weil es extrem glücklich gewesen wäre, und ebenso wenig, weil ich die 96er oder ihren Trainer oder eine ihrer Spielerfrauen unglaublich neben-lieben würde – nein. Einfach so. Schalke holt einen Punkt auswärts bei einem Mitstreiter um die internationalen Ränge. Schalke holt ein Unentschieden im Stadion einer sehr guten, zumal heimstarken Mannschaft. Schalke erzielt 2 Tore gegen ein von einem ambitionierten Trainer gecoachtes Team, überdies gegen einen Torwart, nebenbei, der im nächsten Länderspiel Deutschland dicht halten soll. Das ist alles schön. Wir streicheln die Nasenknochen Klaas-Jan Huntelaars und freuen uns über den noch kürzlich hier vehement geforderten Pukki. Doppelpack eines Mannes aus der zweiten Reihe: Geil. – Gut. Über einen Sieg hätte ich mich ein kleines Bisschen mehr gefreut, über eine Niederlage wäre ich aber nicht verzweifelt. Ich bin’s zufrieden.

Teil zwei, das Saisondrittel.
Dürfte man hochrechnen, werden wir am Ende 63 bis 66 Punkte haben. Das dürfte für ein weiteres internationales Jahr sowie die wiedergewonnene Reputation des FC Schalke 04 in deutschen Fußball-Landen reichen. Man darf aber leider nicht hochrechnen. Denn wie sprach Lucien Favre mit warnend hoch gezogenen Augenbrauen vor dem Spiel seiner Fohlen in Berlin seinen Selbst-Schutzsatz: „Äh, Fronkö-fucht atte letztsäsong nach der Inn-Runde auch fümfunzwanzisch Pung-kte-öh…“ Gut. Es waren sogar 26, über den Daum gepeilt. Und danach war nur noch Zwietracht.
Was mich aber gelassener macht als die hiermit erarbeiteten 22 Zähler, ist die relative Ausgewogenheit, mit der unser Team insgesamt auftritt. Ja: inklusive völlig unnötig erscheinender Ausfälle und Punktverluste. Aber eben nicht so in Massen an nominell wie tabellarisch tiefer stehende Clubs wie in der letzten Saison. 10 Punkte wurden bisher gegen 6 Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte geholt (2 folgen noch: BvB und Bremen), 12 Punkte gegen Teams, die momentan „unten“ stehen (Es folgen noch 3: Nürnberg, Augsburg, Berlin). Es scheint also alles drin zu sein in der königsblauen Wundertüte, erwartete und überraschende Siege wie Niederlagen, gegen Hinz wie Kuntz. Und auch der Kampf um den Pott-Pott ist selbst gegen eine sich wieder ins Rollen gebracht habende Bienentruppe noch längst nicht entschieden: Nach den nächsten beiden Spieltagen ist es sooo unwahrscheinlich auch wieder nicht, dass Schalke plötzlich 5 Punkte vor dem BvB steht, denn DIE müssen noch gegen die Bayern ran, genau so wie Werder. – Ein bisschen mehr Konstanz gegen Konkurrenten wie Kaiserslautern, Wolfsburg etc. täte gut. Dann wird’s zufrieden stellend enden.

Teil drei, die Trainer
Vielleicht möchte hier mal jemand länger drüber reflektieren. – Ist es nicht erstaunlich, dass die Liga derzeit im Schnitt von DEN Teams angeführt wird, deren Trainer nicht etwa der „Kategorie C“ (So verschublade ich hiermit mal die „jungen Wilden“) entstammen, sondern der „Kategorie A“ („alte Haudegen“)!? Siehe die Plätze eins, drei und fünf, z.B. – Und man gucke mal, wer im Moment auf den Abstiegsrängen hockt: Das sind „C“-Leute.
Na, sagt mal, kann das sein? Dass es doch mehr auf die Spieler ankommt…!???

P.S.: Ja, ich habe eine 18-buchstabige Reihenfolge der Trainer, A-, B- („mehr oder weniger gereifte Taktiker“) und C-Kategorie. Und Klopp ist bei mir „Cx“: „älter gewordener Wilder, der seinem eigenen Image nachsägt“.

André

André

Fakten:
Zwischentonbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang erster Bühnenauftritt der Stones | Erster Verein: Rot-und-blau, W-S-V, und als Aktiver: königsblauer Delbrücker Spochtclub | WohnHAFT in Dortmund | Würde niemals in Lüdenscheid wohnen wollen | Hat das Consol Theater in Gelsen-kirchen mitgegründet, direkt neben dem Logo des Web 0.4 | unvergessliche Paraderolle: der blinde Trainer Otze Hirschregen
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