Das neue Schalke

Natürlich habe ich weder eine Ahnung, ob die aktuelle Situation eine Momentaufnahme ist, oder ob das Stevens Wunschelf ist. Mir gefällt allerdings, was ich sehe.

1) Die Innenverteidigung.

Matip und Papadopolous haben es drauf, nicht (nur) den Gegner, sondern vor allem die eigenen Fans zittern zu lassen. Der Eine, Matip, weil ihm manchmal die nötige Geduld und Gelassenheit beim Ballbesitz fehlt, der andere, weil er sich einen Ruf als Knochenbrecher erarbeitet hat. So einen hat man natürlich nur ungern im Strafraum, wegen, na klar, der daraus resultierenden Elfmetergefahr. Irgendwie berechtigt, diese Sorgen, aber irgendwie dann auch wieder nicht. Denn, das wollen wir mal festgehalten wissen, Papadopolous scheint die Strafraumgrenze zu kennen. Zumindest sah das in Leverkusen so aus, wo er die Härte des eigenen Einsteigens scheinbar von ihr abhängig machte. Was Matip angeht, bin ich eh der festen Überzeugung, dass er mehr Gutes als (für uns) Gefährliches leistet, und halte ihn in der Innenverteidigung für „am Besten aufgehoben“. Die Alternativen: Wer war eigentlich dieser „Metze“?

2) Die Außenverteidiger

Und wenn Fuchs noch zehn Tore verschuldet, er gehört auf den Platz. Seine Standards sind meist Zucker und sein Drang nach vorne ist unübersehbar. LEider fehlt ihm im laufenden Spiel die Pander’sche Klebe. Aber wem fehlt die nicht? Auf der anderen Seite sind wir mit Benni im Moment grandios bedient, da wir so, und das wird sich erst noch richtig zeigen, von seiner Offensivkraft zehren können. Von Löw lernen, heißt Siegen lernen. Oder so. Spannend finde ich nur die Frage, ob der Kapitän seine Dienste auf der Position angeboten hat, oder ob ihm das eigentlich gar nicht so Recht ist… Wohlzufühlen scheint er sich aber, und zusammen mit Papa macht er die rechte Seite dicht wie selten zuvor. Die Alternativen: Der gute Hans steht immerhin wieder als solche bereit. Ucchi und Höger, beide nicht unumstritten, aber mit großen Momenten, haben nun eine verdammt große Konkurrenz, an der sie wohl nur der Ausfall eines Innenverteidigers vorbei bringen wird. Escudero und Hoogland warten auf ihr Comeback.

3) Das Zentrale Mittelfeld

Schämen muss ich mich. Wie sehr habe ich doch den guten Jones unterschätzt. Er ist eben einer von den Schalker „Kampfschweinen“. Ich würde ihn aber gerne nach jedem Training noch eine Halbe Stunde auf den Platz stellen, um Fernschüsse zu üben. Richtig stehen und sich anbieten kann er ja schon. Holtby fehlt meines Erachtens noch ein wenig Konstanz, wenn er aber gut drauf ist, sorgt er für Gefahr. Die Alternativen: Kluge (und in der Formation auch wieder Höger) stehen bereit, die ebenfalls von hinten nach vorne arbeiten können. Besser kann man kaum besetzt sein. Über Moritz spricht trotz kurzem Comeback kaum mehr jemand.

4) Die Außenpositionen

Auf rechts ist der unersetzbare Farfán gesetzt, links hat sich Draxler einen Stammplatz erarbeitet. Dieser ist oft noch zu ungestüm, aber man ahnt schon, was wir in naher Zukunft von ihm noch zu sehen kriegen. Er profitiert von Raúl wie kein Zweiter. Die Alternativen: Jurado und Moravek bereit. Der Erstere macht mit großen Einzelaktionen, der Zweite mit viel Einsatz auf sich aufmerksam. Unglücksrabe Kenia steht noch nicht bereit und Baumjohann ist wieder ans Ende der Hierarchie gefallen. Zu Recht.

5) Das Sturmzentrum

Raúl spielt arg zurückgezogen, sorgt aber für eine Menge Ballgewinne im offensiven Mittelfeld und taucht vor dem Tor auf, wenn er vor dem Tor auftauchen muss. Er wirkt in der neuen Aufstellung dennoch am meisten „aus dem Spiel genommen“ doch oft reicht eben ein genialer Moment, um ein Spiel zu entscheiden, und manchmal sind es eben Zentimeter, die das verhindern. Die Tormaschine Huntelaar, die in dieser Saison noch ca. 40 mal treffen wird, ist sowieso nur von den Linienrichter zu stoppen. Die Alternativen: Marica hat bei jedem Einsatz gekämpft und gekämpft, kam aber nicht zum Zug, was in einem Spiel, dass auf Topstürmer wie Huntelaar und Raúl zugeschnitten ist aber kaum verwundert. Pukki kam noch nicht richtig zum Zug und wird es aufgrund der Konkurrenz auch weiterhin schwer haben, sich zu beweisen. Doch auch er wird einiges aus dem Training mit solchen Sturmgrößen mit in die nächste Saison nehmen.

6) Der Torwart

Das Unnerstall weiterhin spielt halte ich für ein gutes Zeichen. Dass mit Hildebrand zusätzliche Konkurrenz da ist, wird ihm auch nicht schaden. Erst wenn Fährmann wieder fit ist, wird einer der große Verlierer sein. Unnerstall ist eine Persönlichkeit, wie sie ein Team im Kasten braucht. Wenn es bei einer Standardsituation (gegen Schalke) relativ ruhig im Stadion ist (wie in Larnaka, vielleicht ja auch heute Abend in Karlsruhe) ist es eine Wonne, ihn beim „Aufstellen“ der Abwehr zu zu hören. Dass er die Kugel halten kann, hat er auch schon bewiesen. Er wird seinen Weg machen.

7) Der Trainer

Huub macht Spaß. Sein Einsatz an der Linie, sein Auftreten in der Öffentlichkeit, seine Wortwahl… Ich wiederhole mich hier gerne: Huub IST Schalke. Und wir hätten keinen besseren finden können.

Fazit: Schalke ist momentan gut ein- und aufgestellt. Es gibt an allen Ecken reichlich Konkurrenz aber man hat nicht das Gefühl einer überlandenden Kabine. Sollte es nicht Verletzungen und Sperren hageln, oder wir uns selbst ein Bein stellen, steht einer erfolgreichen Saison nichts im Wege.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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