Durch die Augen der Anderen – Christian

Nachdem die Serie ja fast schon in „Durch die Augen der Kölner“ umbenannt werden musste, habe ich jüngst einen Beitrag eines Nicht-Karnevalisten bekommen. Christian, Autor des 360°-Blogs, scheint Anhänger eines unterklassigen Vereins zu sein. Zumindest habe ich noch nie von diesem komischen BVB gehört…

 

Zeilen an den Erzfeind

Gelsenkirchen. Das sind Schlote vor einer Industriekulisse. Das ist eine Arbeitslosenquote von rund 17 %. Das ist das Klischee eines proletenhaften Ruhris. Wenn ich an Gelsenkirchen denke, fällt mir wahrlich nicht viel Gutes ein. Und doch gibt es eins, das alle mit der Stadt verbinden. Und das ist der S 04.

Im ersten Moment tut sich auch da für mich nicht viel Gutes auf. Von Haus aus BVB-Fan, brauche ich wohl kaum zu erwähnen, auf welch fragwürdigem Terrain ich mich in einem Schalke-Blog bewege.

Eins kann ich den blau-weißen Fans aber nicht streitig machen, und das ist eine Vereinstreue, die ihresgleichen sucht.

Sie feiern mit ihrem Verein und weinen mit ihrem Verein. Bei einigen soll es sogar so weit gehen, dass sie sich für ihre Mannschaft ein Zebra von einem Affen tätowieren lassen würden. Und wenn es einen Verein gäbe, der einen Affen im Wappen tragen würde, würde sich manch einer möglicherweise selbiges Motiv von einem Zebra in die Haut stechen lassen.

Ich kann und werde hier nicht auf historische Momente, Hochs und Tiefs oder Vereinsinterna eingehen. Ich bin lediglich von der gemäßigten schwarz-gelben Fraktion. Ich freue mich über jeden Sieg, muss aber bei einer Niederlage nicht weinen und selbst wenn, ich hätte in letzter Zeit nur wenig Tränen vergießen müssen.

Zwischen Dortmund und Schalke herrscht eine Erzrivalität, die länger zurückreicht als die letzte Meisterschaft der „Königsblauen“. Aufgrund dessen sollte die Vereinsspitze vielleicht in Erwägung ziehen, den hochtrabenden, selbstgegebenen Titel zu überdenken und sich an die bescheideneren Fans zu halten, die mit einem „Knappen“ vorlieb nehmen. Und „knappenblau“ klingt doch auch gut.

Ich will auch kein Geheimnis daraus machen, dass ich bei jedem Patzer eures Vereins ein schadenfrohes Grinsen nur schwer verstecken kann. Wenn ich euch also an den verkorksten Start der letzten Saison erinnere, ist das für euch zwar Salz in die Wunde, für mich aber der reinste Zucker. Das Ganze auch noch in einem Schalke-Blog ungestraft zu schreiben, verdoppelt mir das Vergnügen.

So könnte ich stundenlang weitermachen, ohne dass mir auch nur im Geringsten langweilig würde. Ich fürchte aber, dass dann niemand mehr weiterliest, bevor ich zu den wirklich wichtigen Zeilen komme.

Ich bin BVB-Fan, seit ich zurückdenken kann. Um ehrlich zu sein kann ich auch nicht sagen, warum ich es geworden bin, lediglich, warum ich es noch bin. (immer daran denken: ich meine damit mehr so etwas wie „Sympathisant“ statt „Hardcore-Fan“)

Ziemlich sicher wird es auch auf der anderen Seite nicht Wenige geben, denen es genauso geht. Das macht auch nichts, wahrscheinlich wird man einfach hineingeboren oder dahingehend (re)sozialisiert.

Ich weiß auch nicht, warum eine solche Feindschaft zwischen Blau-Weiß und Schwarz-Gelb existiert, warum nicht stattdessen mit dem VfL Bochum oder mit der anderen Borussia.

Fest steht für mich letztendlich nur eins. Solche Rivalitäten, gegenseitiges Aufziehen und sich zu streiten macht den Fußball zu dem, was er ist. Ohne das wäre der Sport langweiliger, die Motivation wäre nicht so hoch. Fußball hat in unserer Gesellschaft einen Stellenwert, der weit über den anderer Sportarten hinausgeht. Er kann Menschen verbinden, oder eben auch spalten. Wichtig ist das Erste; das funktioniert aber nicht ohne das Zweite. Fest steht für mich: Rivalitäten sind gut und notwendig, sie verleihen den Partien die besondere Würze.

Gefährlich wird es aber, sobald die Rivalitäten über bissige Kommentare, Streitgespräche am Tresen oder miserable Witze hinausgehen. Dann geht es nicht mehr um Sport, geschweige denn um Sportlichkeit. Dann geht es nur noch darum, den schönen Effekten des Fußballs zu schaden.

Also bitte: Rivalitäten ja, aber bitte immer fair bleiben!

Bis dahin alles Gute!

 

In zweifelhafter Hassliebe

Christian

Andreas
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