Geschichten aus der Gründerzeit

Vor hundert Jahren kam ein Mann
mit seinem starken Sohne an,
um sogleich sich zuzutrauen,
eine neue Stadt zu bauen. 

Der Vater, ganz der Schöpfergott,
er baute einen Riesenpott
auf einem hundert Hektar Beet,
denn Scheißen war Priorität.

Der Sohn half seinem alten Herrn,
denn Helfen tat er allzu gern,
auch wenn des Sohnes Provision
so hoch war wie ein Dirnenlohn.

Vor allem unterstützte er
den Vater bei der Grube sehr;
Der Alte konnte schwer entbehren,
seinen Dickdarm oft zu leeren.

Die beiden Männer gruben fleißig
15, 20, dann fast 30,
schließlich hundert Hektar Land:
Bio-Klo aus eig´ner Hand!

Der Sohnemann noch voll im Saft,
der Vater unlängst ohne Kraft,
lassen nun dem Spaten fallen,
um Häufchen in ihr Loch zu knallen.

Ihr Lebenswerk ist nun vollbracht,
sie schuffteten von Früh bis Nacht,
vollbrachten einen Schöpfungsakt,
bedingt durch den Verdauungstrakt.

Die beiden Architekten nun,
hatten nicht mehr viel zu tun,
außer ihren Ländereien
einen Namen zu verleihen.

So spricht zum Vater laut der Sohn,
mit seinem Drang zur Perfektion,
Wenn wir schon ins Loch hier scheißen,
soll es bitte Darmstadt heißen!“

Der Vater sprach: „Mein liebes Kind,
vergiss den Namen rasch geschwind!
Bedenke, weil der Main hier mündet,
haben wir die Stadt gegründet!“

– „Aber Papa! Dieser Main,
interessiert doch hier kein Schwein!“
– „Frank, so widersprich mir nicht!
Sonst furze ich dir ins Gesicht!“

Nachdem die Herren ausgerauft,
wurd die Stadt Frankfurtz getauft.

 

 

 

 

Strom Hagemann

Strom Hagemann

Poesiebeauftragter a.D. und Gründungsmitglied
Strom Hagemann