Ich will das nicht, Herr Heidel!

Lieber Herr Heidel,

bevor ich zu meinem Anliegen komme, möchte ich kurz etwas zu meiner Person erzählen, damit sie meine Stimme einordnen können. Mein Name ist Andreas, ich bin 38 Jahre alt, Familienvater, habe das Ruhrgebiet nie verlassen und betreibe nun seit vielen Jahren mehr oder weniger aktiv dieses Blog.

Ich bin kein Sprachrohr für irgendwen und noch weniger bin ich Influencer. Ich bin einfach jemand, der Schalke liebt und gerne kleine Texte verfasst. Wie zum Beispiel diesen hier, welchen Sie aufgrund genau dieser Tatsache wohl nie lesen werden.

Meine Stimme ist eine von vielen, aber trotzdem habe ich eine, auch wenn diese kaum hörbar ist. Und diese Stimme ist mir wichtig. Jedoch habe ich seit einiger Zeit das Gefühl, dass mir diese Stimme genommen wird. Denn immer wieder ist in den Medien zu lesen, was ich möchte. Was ich brauche. Als Schalkefan. Unter anderem von Ihnen.

Anlass zu diesem Schreiben ist ein Artikel, den ich jüngst las, in dem es um die Personalien Meyer, Goretzka und Kehrer ging. Der Artikel sagte dem Leser, dass die anderen Schalke-Fans und ich wollen, dass diese unbedingt gehalten werden, da unsere Mannschaft sonst ihr Gesicht verlieren würde.

In diesem Blog habe ich oft geschrieben, dass mir Identifikation wichtiger ist als Erfolg. Und das meinte ich auch so. Und trotzdem: Lieber Herr Heidel, ich will das nicht. Verstehen Sie mich nicht falsch. Kaum etwas würde mich mehr freuen, als wenn die beiden – bei Goretzka ist es ja wohl zu spät – ihre Unterschrift unter einen soliden, leistungsgerechten Arbeitsvertrag aus ihrer Feder unterschreiben würden.

Aber ich will nicht, dass sie sie um jeden Preis halten. Wie auch? Was nützt es, jemandem ein horrendes Jahresgehalt zu bieten, wenn ein Konkurrent das doppelte mal eben als Handgeld ausschüttet? ZUSÄTZLICH zu einem vermutlich ähnlich hohen Gehalt.

Nein, wir sind nicht im Stande, diese Spieler mit Geld zu locken. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Dieses Spiel haben wir schon verloren. Wir – entschuldigen sie bitte den in diesem Fall etwas merkwürdig klingenden Plural – können nur andere Argumente liefern. Nämlich zum Beispiel, dass wir der geilste Club der Welt sind.

Was ich sagen will, Herr Heidel, ist Folgendes: Ich als Fan erwarte nicht, dass sie bis aufs Blut um die „Eigengewächse“ kämpfen. Ich erwarte von Ihnen, dass sie ihnen ein ordentliches Angebot machen, und wenn sie dies ablehnen, haben diese Figuren so viel mit Identifikation für mich zu tun wie ich mit Lüdenscheid-Nord.

Ich erwarte von Ihnen, dass sie Schalke wieder stark werden lassen. Dass sie eine Linie haben und diese durchsetzen. Die Spieler sollen höchstens betteln, bei uns spielen zu dürfen, aber keinesfalls anders herum. Und ich weiss, dass sie das Zeug dazu haben, und – mehr noch – auf einem sehr guten Weg sind.

Natürlich wollen wir Identifikationsfiguren. Und wir wollen Eigengewächse. Aber vertue ich mich, wenn ich glaube, dass da schon wieder einige geschmiedete Eisen aus dem Feuer kommen? Und vertue ich mich, wenn ich behaupte, dass man Identifikationsfiguren auch manchmal einfach im fränkischen Schlussverkauf bekommt?

Ich glaube, dass wir mit Ihnen ein wirklich tolles Management haben. Und ich bin wahnsinnig überzeugt von dem Trainer, den Sie uns zu Saisonbeginn präsentierten. Und wir haben endlich wieder ein TEAM! Ich brauche weder Meyer, noch Kehrer, um glücklich zu sein. Ich brauche aber einen Manager mit Planungssicherheit. Also schaffen sie diese und tun sie bitte, was zu tun ist, damit Schalke sportlich weiterhin so viel Spaß macht, wie im Moment. Oder sogar mehr…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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