20 Nov

Zweiter sein

Zweiter sein ist eine ziemlich geile Sache. Eigentlich das Ideal. Denn als Erster ist man gejagt, unter Druck und unbeliebt. Na schön, unbeliebt sind wir auch so, und das ist gut so. Aber dieser Druck ist doch etwas, was kein Mensch braucht. Nicht, dass ich nicht auch mal gern eine Meisterschaft feiern würde. Aber doch bitte eine, die man am letzten Spieltag holt, wenn Bayern bei einem längst abgestiegenen anderen Landwirtschaftsverein aufläuft, und keiner damit rechnet.

Meinetwegen, so viel Flexibilität muss sein, können wir dann auch den Meistertitel mit einem ersten Platz vom ersten bis zum 34. Spieltag verteidigen. Aber jetzt? Nee. Der Zweite Platz ist die absolute Wohlfühlposition, solange der erste nicht aus Lüdenscheid kommt.

Aber was war da gestern überhaupt los? Wir haben ein Sonntagsspiel und kaum ein Konkurrent hat geliefert. Dachten wir nicht alle zu wissen, was das heißt? Klar dachten wir das, der FC Schalke kann nicht unter Druck und lässt die Punkte liegen. Das wir dieses Spiel gewinnen, ist allein schon ein kleines Schalke-Wunder. Dass wir es mit einem Tor von Franco gewinnen, ist einfach geil. Und ich dulde keine Abstriche in der Geilheit: Denn ja, es war ein Elfmeter. Aber, hey, mach das Mal. Stell dich beim Stand von 0:0 da hin, mit dem Wissen wie arschlang du nicht mehr in der Liga getroffen hast. Und dann mach ihn nicht nur irgendwie rein. Nagel den Ball bitte direkt neben den Pfosten, genau da, wo – vorausgesetzt der Torhüter ahnt die Ecke – nur ein paar Millimeter zwischen Hand und Pfosten bleiben. Geiler Typ!

Und wenn dann noch schnelle Abwürfe von Fährmann hinzu kommen, muss man sich doch mal kneifen. Aber klar, dann sitzt du da und denkst „Schön und gut, aber ein herausgespieltes Tor wäre mal wieder was feines.“ Und dann kommt dann noch diese Kono-Nummer. Vielleicht war es ja wieder tatsächlich einer dieser Blindpässe. Aber wen interessiert das, wen er denn vor Burgis Füßen landet? Mich nicht!

Müssen wir über Papa sprechen? Diesen Typ als Gegner zu haben ist nicht schön. Aber hey, ich liebe diesen Mann und hätte er sich in unserem Trikot so dermaßen wie offene Hose benommen, hätte ich es gefeiert. Ach, Papa, warum bist du nicht in der Nähe deiner Grillstuben geblieben?

Viel hässlicher fand ich diese ganze Videobeweisforderei und vor allem deren Erfüllung. In einer Szene, in der ein Spieler die Hand nah am Körper hat darf sowas einfach nicht zum Einsatz kommen. Das ist armselig! Vielleicht sollte man wirklich die Quote einführen: Jedes Team darf den Beweis zwei bis drei mal pro Spiel ohne Wenn und Aber fordern, der Schiri selbst nicht. Vielleicht würde der Einsatz dieses Instruments dann etwas wohlüberlegter und fairer von Statten gehen. Und im Gegenzug kann man dann ja Meckern, Reklamieren und Kartenforderei härter bestrafen. Nicht?

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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