31 Okt

Der späte Biss

Ein Ausgleich in der Nachspielzeit sorgt meist für große Emotionen. Freude auf der einen, Niedergeschlagenheit auf der anderen Seite. Dieses mal war es aber irgendwie anders. Ob sich die Wolfsburger jetzt extrem freuten oder es eher leid sind, schon wieder Unentschieden gespielt zu haben, weiss ich nicht. Aber aus königsblauer Sicht waren die zwei verlorenen Punkte so kurz vor der Ziellinie zwar ärgerlich, aber kein Grund, sich nun einzugraben.

In der Pause war ich mir sicher, dass wir dieses Match gewinnen werden. Wolfsburg fand in der ersten Halbzeit so gut wie gar nicht statt. Schalke hatte das Spiel zu jeder Zeit im Griff, auch wenn große Torszenen zunächst Mangelware waren. Aber auch das wurde im Laufe des 1. Abschnitts besser. Di Santo und Harit hätten schon für die Führung sorgen können, es brauchte jedoch die Hilfe des Videoschiedsrichters und den erneut vom Punkt sicheren Bentaleb, um das 1:0 erzielen zu können. Völlig verdient, nur die Höhe des Zwischenergebnisses schmeichelte eher den Wolfsburgern.

Nach dem Seitenwechsel wurden die Gäste dann etwas stärker, wirkten aber in unmittelbarer Tornähe recht zahnlos und brachten Ralf Fährmann zunächst nicht weiter in Gefahr. Es brauchte also den zweiten Auftritt des Herren in Köln. Naldo sprang in die Luft und traf seinen Gegenspieler, der Schiedsrichter liess zunächst weiterspielen, begutachtete dann nach einem Hinweis aufs Ohr die Szene selbst nochmal am Monitor und entschied nach gefühlt 0,4 Sekunden auf Elfmeter. Verrückt, wenn er das so schnell weiss, warum entscheidet er dann nicht auch sofort? Und ist es- in beiden gepfiffenen Situationen- denn wirklich eine hundertprozentige Fehlentscheidung, die ein Eingreifen des Assistenten in Köln rechtfertigt? Ich denke nein, beide Strafstöße kann man geben, man kann es aber auch lassen. Wenn es dann noch ein Beispiel für die Sinnlosigkeit des Videoschiedsrichters gebraucht hat, dann war es das Handspiel von Kehrer zum Ende der Begegnung. In der ersten Zeitlupe war dieses sofort zu erkennen, Pfeife und Knopf im Ohr blieben jedoch (aus Schalker Sicht natürlich glücklicherweise) stumm. Für mich ist dieser Videoschiedsrichter so überflüssig wie alkoholfreies Bier, ein Rathausbalkon in Gelsenkirchen oder ein „Europa,wir kommen“- T-Shirt des HSV.

Sei es wie es sei, es gab Elfmeter, Gomez rutschte jedoch auf dem, was angeblich ein Rasen sein soll, aus und nagelte das Ding in die Südkurve. Spätestens jetzt war das Momentum auf unserer Seite. Das Gefühl aus der Halbzeit verstärkte sich noch und mir war klar, dass wir heute als Sieger vom Platz gehen. Aber: So ist Fußball! Anstatt das 2:0 zu erzielen, wurden die Wölfe gefährlicher, bissen in der Nachspielzeit dann doch noch zu und sicherten sich einen Punkt.

Die Enttäuschung über die zwei verlorenen Zähler wich aber wirklich ganz schnell dem Applaus für die über weite Strecken gute Leistung. Ich finde, die Entwicklung der Mannschaft stimmt. Da muss man solche „Betriebsunfälle“ einfach mal auch hinnehmen. In den letzten Spielzeiten konnten wir gegen Hertha und Ingolstadt zwei Last-Minute Siege feiern. Das ist schön, keine Frage. Spielerisch fühlten sich diese Begegnungen aber wesentlich mehr wie ein Unentschieden an als das Spiel vom Samstag. Unterm Strich ist die Mannschaft inklusive des Pokalspiels seit fünf Begegnungen ungeschlagen. Nun geht es nach Freiburg bevor sich dann der HSV die Ehre in der Arena gibt. Ich denke, nach diesen Spielen sind wir schlauer, wohin der Weg führt.Die Richtung stimmt aber definitiv.

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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