18 Sep

Otto, Bayern und der Weg zur Meisterschaft #4

Wir haben es gemacht. Wir haben dieses wichtige Auswärtsspiel gewonnen. Wir haben einen Sahnestart hingelegt. Und alle anderen haben mitgespielt. Alle anderen? Nein, ein kleines Dorf im Norden Lüdenscheids… Aber egal, vielleicht will das Schicksal, dass auf ewig in den Geschichtsbüchern steht, dass wir den Dortmundern ausgerechnet am 19.09. die Tabellenführung abnahmen und sie bis zur heiß ersehnten Meisterschaft nicht mehr hergaben. Mehr dazu im angehängten Lückentext.

Rein spielerisch haben wir uns wieder nicht mit Ruhm bekleckert. Doch gab es viel Positives und lang vermisstes in Bremen zu sehen, sei es der Auswärtssieg an sich, welche ja in der letzten Saison reinste Mangelware waren, die zwar etwas glückliche, aber schnelle Antwort nach dem Führungstreffer, das Drehen eines Rückstandes oder einfach der Bärenmut des Trainers, den er nicht zum ersten Mal in dieser Saison bewiesen hat.

Dass jemand mutig sein muss, um als Bundesliganeuling mit einem solch kleinen Kader auskommen zu wollen ist nicht fraglich. Dass jemand mutig sein muss, der dem verdienten Kapitän die Binde wegnimmt, weil er offenbar keinem Feldspieler eine Einsatzgarantie geben möchte, ebenfalls. Aber wie mutig ist jemand, der schon zum zweiten Mal zur Halbzeit das ganze Spiel durch Wechsel umwirft. Und wie mutig ist ein Trainer, der 10 Minuten vor Schluß beim Stand von 1:1 einen dritten Stürmer ins Rennen schickt. Einen, der 1 Jahr lang verletzungsbedingt keine Bundesligaluft mehr geschnuppert hat.

All diese Entscheidungen würden ihm dermaßen um die Ohren geklatscht werden, wenn es sportlich nicht läuft. Und all diese Entscheidungen hätte sich ein manch anderer genau aus diesem Grund nicht zu machen gewagt. Tedesco tut es, und ich bewundere ihn dafür. Und ich freue mich schon sehr darauf zu sehen, was er sich für das Spiel gegen die Bayern hat einfallen lassen. An welchen Schrauben er während der Partie drehen wird. Und ob es am Ende wirklich reichen kann, um den Rekordmeister etwas abzutrotzen. Es wäre so schön wieder der FC Schalke zu sein, der nicht mit eingezogenem Schwanz in ein Heimspiel gegen die Bayern gehen müsste. Und dieser Trainer ist immerhin der personifizierte uneingezogene Schwanz.

Auf das große Scouting möchte ich diesmal aufgrund der Kürze der Zeit verzichten, auf den Lückentext nicht. Wer weiß, wann er das nächste mal so gut aussieht.


Tendenz:

Schalke hat bisher 4 Spiele absolviert und 9 Punkte geholt. Das bedeutet, dass wir bisher 3 Punkte haben liegen lassen. Wir haben im Schnitt pro Spiel 2,25 Punkte geholt. Sollten wir die verbleibenden 30 Spiele mit diesem Schnitt weiterspielen, haben wir am Ende 76 Punkte. Dies reicht wahrscheinlich zur Meisterschaft, doch ganz sicher zur Champions-League-Qualifikation.


Wege absolviert:

Saisonspiele 11.8%
Noch 30 Spiele (max. 90 Punkte)

Meisterschaft 11.3%
Noch 71 Punkte (2,37 pro Spiel)

Champions-League 14.5%
Noch 53 Punkte (1,77 pro Spiel)

Europa-League 17%
Noch 44 Punkte (1,47 pro Spiel)

Klassenerhalt 24.3%
Noch 28 Punkte (0,93 pro Spiel)

Relegation 25.7%
Noch 26 Punkte (0,87 pro Spiel)


Erklärungen und Anmerkungen:

Meisterschaft (80 Punkte)

Die Maximale Punktzahl, die eine Mannschaft in den letzten zehn Jahren erreichte waren 91 Punkte. Die Höchstpunktzahl von Schalke im Gleichen Zeitraum waren 65 Punkte und reichten zur Vizemeisterschaft. Im Schnitt hat der deutsche Meister 80 Punkte geholt, die minimale Punktzahl eines Meisters waren in diesem Zeitraum 69 Punkte. Es hätten aber sogar 66 Punkte gereicht, um dem Vizemeister unabhängig vom Torverhältnis voraus zu sein. Der beste Vizemeister in diesen Jahren hatte 79 Punkte. Dies veranlasst mich zu der These, dass man mit 80 Punkten ziemlich sicher Meister ist.

Champions-League-Qualifikation (62 Punkte)

Hier machen wir es uns etwas einfacher, und betrachten nur die letzten sechs Spielzeiten, also alle die, bei denen der dritte Platz zur direkten Qualifikation und der vierte Platz zur Qualifikationsrunde reichte. In dieser Saison reicht der vierte Platz sogar zur Direktqualifikation. Die jeweils Viertplatzierten erreichten eine Punktzahl von 55 bis 62 Punkten. Ich gehe also davon aus, dass man mit 62 Punkten sicher für die Champions League qualifiziert ist, denn mehr benötigte seither kein Team für den vierten Platz.

Europa-League-Qualifikation (53 Punkte)

Zwar macht das System des DFB-Pokal-Quali-Mischmaschs das ganze etwas komplizierter, aber auch hier bewegen wir uns auf der sicheren Seite, wenn wir von der Höchstpunktzahl ausgehen, die ein Team benötigte, um sich zu qualifizieren. Die Spanne lag bei den Teams auf dem jeweils letzten qualifizierenden Platz bei einer Punktspanne von 48 bis 53 Punkten, so daß ich auch hier davon ausgehe, dass 53 Punkte die sichere Qualifikation bedeuten.

Klassenerhalt (37 Punkte)

Hier betrachten wir die letzten 9 Jahre, also den Zeitraum seit Wiedereinführung der Relegationsspiele. Auch, wenn wir zunächst nur auf den sicheren Klassenerhalt schauen. Zudem orientieren wir uns nicht an der Punktzahl der geretteten Teams, sondern an der, der Teams die in die Relegation mussten, und addieren einen Punkt, auch wenn das Torverhältnis bei Gleichstand ausschlaggebend wäre. Sicher ist sicher: In einer Saison hätten zwar schon 28 Punkte gereicht, in einer anderen mussten es aber bereits 37 Punkte sein, um die endgültige Rettung zu besiegeln.

Relegation (35 Punkte)

Gleiches Prinzip auf dem 16 Tabellenplatz. Hier ist die Spanne der notwendigen Punkte 27 bis 35. Also gehen wir davon aus, dass den HSV uns 35 Punkte sicher vor dem Direktabstieg retten würden.

Foto: Caesar Turin

Caesar Turin

Fakten:
Scoutingbeauftragter | Original '75 | Kreisliga C | Wohnhaft in Bochum | Entdeckt das Internet | Besitzt nur eine Reisezahnbürste

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