19 Aug

Nimm mich mit!

Die letzte Saison war mies, machen wir uns nichts vor. Schlimme Verletzungen, unansehnliche Spiele, schlechte Platzierung, Diskussionen über Erdogan-Anträge  und zu guter Letzt auch noch eine Bierpreiserhöhung  am Anfang des Jahres. All diese Kröten mussten wir schlucken.

Und dennoch gab es sie: Diese Momente, die einem vor Augen führen, warum man den ganzen Scheiss schon seit Jahren mitmacht und einfach nicht davon los kommt.  Diese Momente, an die man sich auch in ein paar Jahren noch erinnert, ganz egal ob man dabei  fröhlich, traurig oder gar wütend wird.  Diese Momente, die alle Nebengeräusche ausblenden und Verein, Mannschaft und Fans zu einer Einheit verschmelzen lassen.  Diese Momente, in denen man einfach „mitgenommen“ wird!

Es waren zugegebenermaßen nicht allzu viele, die dafür aber umso intensiver.  Als erstes muss man da sicherlich die eindrucksvolle Eurofighter-Choreo nennen. Gerade für die Protagonisten ein Moment für die Ewigkeit und ein Zeichen, dass man auf Schalke nicht vergessen wird, sofern man sich für den Club zerreisst, wie es die Mannschaft von 1997 ohne Zweifel getan hat.

Auch der Torjubel zum 2:0 gegen Mönchengladbach geht mir nicht aus dem Kopf. Die Truppe nach fünf Niederlagen mit dem Rücken zur Wand. Jeder wusste, geht das heute in die Hose, wird es ganz, ganz schwer. Der Trainer würde wackeln und die Mannschaft erstmal ganz lange Zeit im Abstiegskampf stecken. Dann gehen wir 1:0 in Führung. Die Freude war da, aber verhalten. Schließlich führten wir auch gegen Köln und in Hoffenheim um am Ende trotzdem mit leeren Händen dazustehen.  Und dann Seo unnachahmlich auf der linken Seite, Pass auf den ebenfalls schon in die Kritik geratenen Breel Embolo-drin!! Diese Lautstärke, diese Erleichterung, dieser Jubel. Man konnte die Steine förmlich purzeln hören.  Irgendwie war da schon klar, heute geht nichts mehr schief.

Das Heimspiel gegen Amsterdam war ebenso ein Moment, auch wenn dieser ein wahrlich typisch schalkiges Ende hatte. Miese Leistung im Hinspiel, eigentlich rechnete alles mit einem Ausscheiden, dafür waren die jungen Holländer einfach zu überlegen. Und dann dieser Fight. Das Erreichen der Verlängerung war schon ein Highlight, nach Caligiuris 3:0 stand dann die Arena Kopf. Ich persönlich fühlte mich in diesem Moment an Wilmots 2:0 gegen Teneriffa erinnert. Die Eurofighter waren wieder da! Am Ende war es dann halt einfach eine Mischung aus Kraftlosigkeit und Pech, die uns das Weiterkommen vermasselten. Aber dennoch, dieses Spiel wird in Erinnerung bleiben.

Aber nun genug des Zurückblickens, heute geht es wieder los. Ich wünsche mir für die  kommende Saison mehr solcher Momente.  Einfach alles ausblenden und sich auf 90 Minuten Fußball konzentrieren, in denen 11 Spieler auf dem Platz stehen, die sich für Schalke den Hintern aufreißen und von fanatischen Fans  nach vorne gepeitscht werden. Spiele, in denen man sich später fragt: „Waren eigentlich auch Gäste da?“ Wenn das funktioniert, dann ist auch der sportliche Erfolg nicht so weit weg, wie es in der vergangenen Saison zum größten Teil den Eindruck machte.

Oder einfach, um es mit den Worten der Band Massendefekt zu sagen: „Nimm mich mit, lass uns träumen!“

Foto: mjpicsde, Flickr

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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Carlito sagt:

Ging doch schon gut los gegen die Dosen. Gerne mehr davon! Danke für die tollen Bilder in meinem Kopf, welche Du durch deinen Beitrag wieder erzeugt hast! :)