09 Jun

Mein Name ist Schalke, das S steht für Irrsinn

Markus Weinzierl ist nicht mehr Trainer des Vereins. So melden es viele Medienhäuser zu dieser Stunde mit einer solchen Inbrunst, dass es gesichert scheint. „Das ist endlich wieder Schalke!“ liest man dort und aus hunderttausend Twitterkonten. Endlich wieder Chaosclub! Dabei macht ein Manager einfach nur seinen Job.

Voriges Wochenende, es war eigenartig schwülwarmkühl. Ich ging zur Mutter zum Samstagsgrillen, ging mit dem Vater ins Popcornkino und wunderte mich am Abend über die Meldung, nach der ein gewisser Yevhen Konoplyanka pampig über den Trainer mopperte. Wir wissen alle, was er zu meckern hatte: „Scheiß Stimmung, scheiß Trainer, Schalke scheiße und bald sowieso Abstieg.“ Zur gleichen Zeit war ein Verbleib Max Meyers unsicher wenn nicht gar unwahrscheinlich geworden, da er sich nicht mehr wohl fühle. In mir keimte die Stimmung: „Alter, was ist da wieder los? Was geht hinter den Kulissen für ein Chaos ab?“

Seit einem Jahr hat Schalke nun nicht nur einen neuen Trainer, sondern auch einen neuen Manager, der für diese Kulissen verantwortlich ist. Ich vermute mal, er hatte in diesen letzten Wochen, als es an die Vertragsgespräche ging, ein ganz ähnliches Gefühl bekommen wie der Autor dieser Zeilen: „Was für ein Bullshit passiert da gerade?“ mag er sich gewundert haben. Die Gespräche mit den Spielern haben ihn schaudern gemacht. Und was tut er? Er nimmt sich des Problemes an, greift es bei der Wurzel und feuert nun mal den Trainer. Dies geschieht nicht mitten in der Saison, zu einem Zeitpunkt, zu dem es schwierig erscheint, einen neuen Übungsleiter aufzutreiben. Es geschieht nach dem Abschluss einer Spielzeit, nach Resümées und Gesprächen, nach Reflexion und Abwägen, also in einem Moment hochgradigster Vernunft, nicht mal angestachelt von überaus laut polternden Fans oder Medien, also aus völlig freien Stücken. Geil, eine Entscheidung, die mein Bild vom Wochenende wieder korrigiert.

Jetzt erst poltern Medien dann doch los, das sei wieder das Schalker Chaos. Bullshit! sage ich. Das ist kein Chaos, das ist Management. Christian Heidel hätte bei Mainz 05 ganz genau so entschieden, ebenso wie bei jedem anderen Club auf der Welt. Diese Entscheidung war weder irrational noch affektiert oder reflexartig. Sie war das Ergebnis vieler Betrachtungen und Überlegungen, vieler Unterhaltungen und von viel Meinungsaustausch. Die Presse möchte dem Club jedoch gerne wieder den Hut aufsetzen, auf dem der dumme Gelsenkirchener „KAOsKLuB“ aufgedruckt hat. Sie möchte dem Club den Turnschuh anziehen, der mit Klettverschluss zugeht, weil er die Schleife noch nicht kann. Schalke bekommt die Digital-Uhr umgelegt, weil es die Uhr nicht lesen kann. Was für ein Quark! Euer Storytelling mache ich nicht mit. Erzählt euch eure Märchen selbst, bastelt euch euren oberflächlichen Kosmos weiter, aber maßt euch niemals an, über Entseelung des Fußballs zu sprechen. Eure Stereotype und Storyschubladen sind so verkommen wie der Libero. Schalker Irrsinn? Das hättest du wohl gerne, Sprachvergewaltiger!

Fick dich, Presse! Ich hasse dich!

Benjamin

Benjamin

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Exilbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang '86 | Wohnt in der anderen Stadt | Mag es dort | Die Katze heißt Vlad | Unheilbar gesund | Gitarrist | Viel zu schnell unterwältigt | Hat dem Webmaster neulich das Sie angeboten | Twitter
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karstents sagt:

Großartiger Text! Mit Nackenschmerzen vor lauter nickerei, setze ich mich hin und schreibe weiter an meinem Text zum Thema Leadership.

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