15 Mai

7 nette Jahre.

Eigentlich hatte ich mich ja schon verabschiedet für diese Saison. Aber nun darf ich mich – einer glücklichen Fügung sei Dank – doch nochmal zu Wort melden. Und das will ich gern tun: Wir haben gegen Hamburg anständig verloren. Weil, eigentlich haben wir ja sogar gewonnen. Doch das HSV-Rettungskommitee, vertreten durch den DFB, hat augenscheinlich gerade nochmal eingreifen können.

Gut so! Nicht für den HSV. Aber für uns. Naja. Für mich. Irgendeins dieser Boulevardblätter schrieb heute was von vergangenen sieben fetten Jahren. Und von sieben folgenden Mageren, Und was soll ich sagen? Mir wird bei dem Gedanken warm ums Herz. Ich sehe halbvolle, aber stimmungsträchtige Ränge, ich sehe Menschen, die sich in den Armen liegen, weil wir den Tabellendritten einen Punkt abjagen konnten. Ich sehe Sponsoren abspringen und Spieler nach Köln abwandern. Ich sehe unbekannte Namen, die auf Schalke ganz schnell in aller Munde sind. Ich sehe sieben nette Jahre.

Und dann sehe ich, wie wir, als alle uns abgeschrieben haben, im achten, neunten, zehnten oder zwanzigsten Jahr aus dem Nichts irgendeinen wunderbaren Erfolg feiern, mit dem niemand rechnen konnte und schon gar nicht zu erwarten gewagt hätte. Oder eben auch nicht. Scheißegal, wir ham‘ ja uns.

Ich sehe mein Schalke. Das Schalke, wie ich es über alles liebe. Ich sehe etwas ganz Großes, wie es einmalig auf der ganzen Welt ist. Und tatsächlich kullert mir gerade ein kleines Tränchen über die Wange, während ich mich in den Gedanken wiege, zu die mich dieser Text führt. Die junge Liebe ist längst eine faltige Zweckgemeinschaft. Und es wird nie mehr so sein wie es war. Einzig der Treueschwur, die gemeinsamen Freunde und das gemeinsame Kind, dem ich gerade in diesem Moment den Kopf streichle, halten mich noch bei dir. Oder?

Oder gibt es tief in mir drin doch noch diesen kleinen Funken, der sagt, dass es sich lohnt, um unsere Liebe zu kämpfen. Der mich daran erinnert, dass egal, ob es auf oder neben dem Platz finster aussah, immer wieder ein Licht am Ende des Schachtes war. Der mich zwischendurch immer wieder lieben und lieben und lieben lässt, als wär’s das Leichteste der Welt.

Ich fürchte.

Foto: Ruhrpottpedia

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas
Carlito sagt:

Du olle Romantiksau! ;)