01 Mai

Verrückt

Schalker Spiele gegen Leverkusen haben ja ganz häufig das gewisse etwas. In den 90er-Jahren gab es dort öfter mal ne Klatsche, die Fans feierten jedoch noch lange nach Abpfiff, als wären die Königsblauen gerade Meister geworden. Büskens im Tor, Lehmann in der S-Bahn, ein 7:4 in der Arena, ein denkwürdiges Pokalfinale, ein Hanke-Tor vom Mittelkreis und und und. Die Liste ließe sich sicherlich noch weiter fortsetzen.

Auch die Partie am Freitag war wahrlich kein Langweiler. Eigentlich muss man nach 5 Spielminuten 2:0 hinten liegen, führt jedoch nach deren 10 mit genau diesem Ergebnis. Verrückt. Die Werkself daraufhin völlig von der Rolle und Schalke mit der schnellsten 3:0 Auswärtsführung seit gefühlt 1904 Jahren. Es machte richtig Spaß, zuzuschauen. Also vorausgesetzt, man drückte der Gastmannschaft die Daumen. Die Heimfans (zumindest die, die noch hingehen, die Ultraszene boykottiert nach mehreren Unstimmigkeiten mit dem Verein die Heimspiele schon seit mehreren Wochen) verließen bereits zur Halbzeit ihren Fanblock.

Das 0:4 kurz nach dem Seitenwechsel war dann der berühmte Deckel auf dem Topf und sicherte uns den erst dritten Auswärtssieg in dieser Spielzeit. Die Null stand am Ende zwar nicht, jedoch waren die drei Punkte nach Burgstallers zweitem Treffer nicht mehr in Gefahr.

Dass trotzdem auch Glück dazu gehörte, bewies eine Szene direkt nach Wiederanpfiff. Stambouli, mal wieder irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn, vertändelt-allerdings auch nach schlampigen Zuspiel-den Ball und die Leverkusener kommen zu einer Großchance, der Ball geht jedoch zum Glück knapp vorbei. Ich glaube, wenn in diesem Moment der Anschlusstreffer gefallen wäre, hätte die zweite Halbzeit anders ausgesehen. So stehen unter dem Strich drei völlig verdiente Punkte, die von den mitgereisten Fans ordentlich gefeiert wurden. Und die die königsblauen nun wieder von Europa und von einem versöhnlichen Ende der Saison träumen lassen. Eine Saison, in der du nen Punkt in München holst, kein Derby verlierst, zu Hause gegen Gladbach und in Leverkusen vier Buden machst und trotzdem vielleicht nur 12. wirst. Verrücktes Schalke.

Zeitgleich stecken die Leverkusener, die uns bei einem Sieg in der Tabelle überholt hätten, wieder ganz tief im Abstiegskampf. Wenn es ganz doof(bzw. je nach Blickwinkel ganz gut) läuft, spielt eine Mannschaft mit 40 Punkten die Relegation, während eine andere Truppe mit 44 Punkten die EL-Quali klarmacht. Verrückte Liga.

Und gerade diese Verrücktheit ist es, die jetzt schon Vorfreude auf die nächste Saison aufkommen lässt. Denn was gibt es schöneres, als eine Liga, in der (mit einer Ausnahme)  jeder jeden schlagen kann? Ich persönlich glaube, dass, sofern in der Sommerpause bzw. bei verpassen von Platz 6-7 nicht wieder die typischen Schalke-Mechanismen greifen, wir im nächsten Jahr einen konstanteren und damit auch stärkeren FC Schalke erleben werden, der uns noch einiges an Freude bereiten wird. Dafür dürft ihr auch mich jetzt gerne für verrückt erklären, dass hätte ich mit demjenigen, der mir einen 1:4 Sieg in LEV vor der Saison prognostiziert hätte, ja auch getan…..

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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Carlito sagt:

Das du verrückt bist, Henning, ist doch von Deiner Einschätzung der nächsten Saison völlig losgelöst! ;)))

PS: ansonsten töfter Artikel. Und mein Neid, nicht dabei gewesen zu sein, ist Dir gewiss. Wobei Du dafür ja auch schon einiges erledigen musstest, diese Saison auswärts… ;)

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