08 Apr

Ungeduld

Bereits in der 6. Minute, bei Burgstallers wunderbarem Tor, hätten die Zweifel daran weichen können, dass dieser Fußballnachmittag nicht die logische Konsequenz der konstanten Inkonstanz werden könnte. Und so soll es sein: Auf das Debakel von Bremen folgt ein wunderbar souveräner Heimsieg.

Als leidgeprüfter Schalker jedoch weiss man, dass nicht nur in dieser, aber vor allem in dieser Saison ein frühes Tor nichts heißen will. Denn von den vier Spielen, in denen wir zuvor in den ersten Minuten getroffen haben, haben wir nur eins gewonnen.

Man ahnt es bei dieser Statistik schon: Ein so frühes 2:0, wie es Goretzka dann erzielte, hat es in dieser Saison noch nicht gegeben. In dem oben erwähnten Spiel – es war übrigens das Heimspiel gegen Augsburg – dauerte es sechs Minuten länger, bis das Zwei zu null fiel. Dafür stand es auch nach weiteren 5 Minuten, also in der 34. Minute, schon 3:0. Dieses Mal mussten wir bis zum Beginn der zweiten Hälfte warten: Caligiuri macht den Sack schon sehr früh endgültig zu. Da hätten auch die beiden den Wolfsburgern angeblich zugestandenen Elfmeter nichts dran geändert.

Ein weiteres persönliches Highlight hielt die 71. Minute für mich bereit, als Coke den Platz betrat. Es fühlt sich irgendwie gut an, ihn endlich wieder im Team zu haben, und dieses Gefühl wird mich wohl auch noch bei seiner vierten, fünften und sechsten Berufung in die Elf beschleichen. Ich konnte seine Rückkehr ebenso wenig erwarten, wie ich die von Embolo erwarten kann.

Letzterer war übrigens der Schütze unseren letzten – und in dieser Bundesligasaison auch einzigen – 4:0. In der 83. Minute des ersten Bundesligasiegs. Der Gegner hieß Gladbach. Dieses Mal waren wir 6 Minuten früher und der Schütze war Super-Guido. Sein Super-Pendant auf der anderen Seite musste sich hingegen in der darauf folgenden Szene mit einem Anschlußtreffer durch Elfmeter begnügen.

Es blieb beim 4:1 und auf ein fünftes Tor müssen wir in dieser Saison wohl vergeblich warten. Nun sind wir Zehnter. Und bei 5 verbleibenden Spielen und 3 bis 4 Punkten Abstand zum 6. Platz fragt man sich, ob wir nicht einfach generell zu ungeduldig sind. Klar – wenn man sieht, wo wir stünden, wenn wir in Bremen gesiegt hätten versetzt einem schon einen kleinen Nadelstich. Und die fehlende Konstanz lässt einen irgendwie zweifeln, dass man die letzten Punkte auch wirklich einfährt. Aber müssen wir nach jeder Niederlage direkt wieder alles abschreiben? Denn genau das macht doch Fußball irgendwie aus.

Vielleicht dürfen wir am Ende feiern, dass wir es noch gerade so gepackt haben, im europäischen Geschäft zu bleiben. Irgendwie turnt mich das weit mehr an, als die Vorstellung, nach dem Sammeln von mehr Punkten in dieser Saison am Ende vielleicht knapp den Champions-League-Platz zu schaffen und mich zu ärgern, dass es wieder nicht gereicht hat und wir nun wieder Sonntags spielen müssen.

Im Ernst: Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, dass wir die meisten Trainer in diesem Jahrtausen auf genau diesen Rängen entlassen haben. Nichts macht unzufriedener, als den großen Erfolg knapp zu verpassen. Dann lieber den kleinen Erfolg knapp erreichen. Da kann man feiern. Oder anders: Lieber unerwartet und knapp aufs Siegerpodest, als sich in letzter Sekunde noch von seiner Spitze verdrängen zu lassen. Bronze ist nächer an Gold. Nicht nur im Farbton.

Aber vielleicht gehen wir am Ende auch leer aus. Aber auch das sollte im Sport – sofern es denn wirklich noch einer ist – keine Katastrophe darstellen.

Doch genug philosophiert. Schnell den Artikel veröffentlichen. Ich will euch ja nicht warten lassen. Und dann feiere ich einen geilen, unerwarteten Sieg. Und kann das nächste Spiel kaum erwarten ;)

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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