10 Mrz

Warum die Schalker Fans trotz des unbefriedigenden Ergebnisses am Ende applaudierten.

Gelsenkirchen. Einundzwanziguhrnochwas. Die Stimmung ist gedämpft. Nicht schlecht, aber gedämpft. Die Spieler im blauen Dress werden kritisch von ihren Fans beäugt. Fast alle sind sich einig: Hier muss ein königsblaues Schützenfest her. Alles andere ist nach der bitteren Niederlage im Ligaspiel am Niederrhein zu wenig.

Aber dieses Schützenfest will sich auf dem Platz einfach nicht zeigen. Wie auch? Die Mannschaft der Gäste hat Rückenwind und keine Geschenke mitgebracht. Und im Gegenteil: Schon in der 15. Minute klingelt es im Schalker Kasten, weil Gladbach die freizügig dargebotenen Lücken in der Schalker Abwehr zu nutzen weiß.

Nun ist die Stimmung auf den Rängen endgültig gekippt. „Kreisliga“ und „Schülermannschaft“ sind einige der netteren Begriffe, welche mir – leider gepaart mit sehr viel Speichel – um die Ohren fliegen. Schlimmer erwischte es – verbal gesehen – nur den Schiedsrichter. Der Niederländer versuchte sich vermeintlich offenbar, zumindest aber für den Stadionbesucher scheinbar, als Brite und pfiff aus Kurvensicht selten, aber zweifelhaft.

Dies sollte uns aber bereits 10 Minuten später zugute kommen. Denn während viele noch das so erlebte, aber nicht gepfiffene Foul anprangerten, gab es eine Szene, bei der viele dachten, dass nun Schalke eins begangen hätte, was aber aus Sicht des Unparteiischen wohl auch nicht der Fall war, so dass zu guter Letzt der Ball mittels des goldenen Fußes des Burgstaller Guuuuido endlich den Weg in das richtige Tor fand.

Plötzlich war er wieder da, als wäre er nur kurz Bier holen gewesen: Der 12. Mann. Und nicht nur der. Schalke begann Fußball zu spielen, und man war weitere 20 Minuten später geradezu enttäuscht als der Schiedsrichter die Frechheit besaß, dieses Fußballspiel zu unterbrechen.

Doch nach ungefähr 15 Minuten sollte es weitergehen. Und zwar mit nicht minder schönem Fußball und nicht minder zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen. Schalke erspielte sich zahlreiche Chancen doch konnte diese leider nicht nutzen. Daran änderte auch die Einwechslung von Bentaleb in der 55. Minute leider nichts.

Dann kam die zweite Einwechslung. Schöpf durfte seinen Halbmarathon nicht zu Ende laufen und machte Platz für Choupo-Moting. Ein Raunen geht durch das Stadion. Und auch bei mir machte sich ein Gefühl breit, dass das Spiel nun im Abseits versandet. Pustekuchen. Choupo wirbelt als ginge es um sein Leben, und ist nun der Mann auf dem Feld, der Akzente setzt, der gesucht wird, und der die gefährlichen Szenen einleitet. Sein Zusammenspiel mit Maskenmann Sead ist in diesen 20 Minuten nun plötzlich eines, welches wir auf der linken Seite seit Fuchs besten Tagen nicht mehr sehen durften.

Doch es reicht nicht. Der Ball will nicht in das Tor. Und doch gibt es nach Abpfiff stehende Ovationen. Die Mannschaft hat sich als Eurofighter 2017 präsentiert. Sie hat wenigstens eine kleine Hoffnung auf das Weiterkommen gelassen. Und sie hat uns einen Fußballabend geschenkt, der so ziemlich jede denkbare Emotion geliefert hat.

Für Spiele wie diese liebe ich diesen Sport. Da wird Gewinnen zur Nebensache. Weiter so! Und zwar in jedem verbleibenden Spiel der Saison.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas
Carlito sagt:

„Weiter so! Und zwar in jedem verbleibenden Spiel der Saison.“

Wollen wir es hoffen!