26 Feb

Kurz und Schwer

Ich hege eine Abneigung gegen Heimspiele gegen Hoffenheim. Das hat nichts mit der durchaus vorhandenen Abneigung gegen Hoffenheim zu tun. Vielleicht hasse ich sogar Heimspiele gegen Hoffenheim. Und das ist ganz einfach begründet. Denn jedes Mal, wenn Hoffenheim auf Schalke spielt, verfalle ich in eine seltsame Stimmung. Eine Nachdenkliche. Eine Traurige.

Es war am Samstag, den 30.03.2013. Es sollte das Spiel meiner Tochter werden. Ihr erstes im Stadion. Sie war damals 11. Und bis zu einem bestimmten Zeitpunkt war auch alles normal: Wir waren beide aufgeregt und gut gelaunt und stiegen in die Bahn.

Doch dann kam ein Anruf, der mich völlig aus der zumindest sprichwörtlichen Bahn werfen sollte. Ich erfuhr ca. 4 Stunden vor dem Anpfiff vom Tod des Bloggerkollegen Matthias in der Weide von schalkefan.de, der, wie es hieß, am Vortag „nach kurzer und schwerer Krankheit verstorben“ sei.

Ich denke oft an Matthias. Nicht nur bei Heimspielen von Hoffenheim oder Jahrestagen. Ich denke oft an ihn, wenn auf Schalke irgendwas passiert. Was würde er wohl dazu sagen und schreiben? Ich stelle mir vor, wie er mit seiner oft sarkastischen Art bestimmte Dinge kommentiert. Was hätte er wohl als Gast im Podcast blauer.salon alles zu erzählen gewußt?

Vor allen Dingen habe ich aber gestern an ihn gedacht. Nicht etwa weil es ein Tag vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim war. Sondern weil ich mit der Formulierung der „kurzen und schweren Krankheit“ konfrontiert wurde.

Diesmal traf es Frank van Vorshelen. Er war kein Schalker. Er war eingefleischter MSV-Fan. Ich durfte den Vorsitzenden der Rainbow Zebras bei einem Krankenhausaufenthalt vor drei Jahren kennen lernen, und wir kamen wegen unserer gemeinsamen Leidenschaft schnell ins Gespräch, auch wenn die Liebe einem jeweils anderen Klub galt. Eins kann ich mit Sicherheit sagen: Frank hat den Fußball geliebt und gelebt. Und er war einer von den Guten. Meine Anteilnahme gilt seinen Freunden und seiner Familie.

Das macht natürlich alles – damals wie heute – wenig Lust auf Fußball, weshalb mein Text zum Spiel hier denkbar knapp ausfallen wird und wohl eher einem Fazit gleichkommt.

Man kann, wenn man will, sagen, dass ein Punktgewinn gegen Hoffenheim in Ordnung geht, wenn man die Belastung vor und nach dem Spiel durch die zusätzlichen Wettbewerbe in Rechnung nimmt. Aber dann hat man die Saison halt abgehakt und den Mittelfeldplatz fest gebucht.

Es ist einfach unfassbar schade, dass man nun zum wiederholten Mal eine frühe Führung durch ein schönes Tor nicht in ausreichend Punkte verwandeln kann. Man hat das Gefühl, dass man nur mit einem minimalen, mehrfach punktuellem Mehraufwand in dieser Saison schon vehement an den Europacupplätzen kratzen würde. Jetzt ist der Zug wohl endgültig abgefahren.

Es tröstet ein wenig, dass wir theoretisch noch nach Berlin und Solna fahren können. Aber wie lange wird dieser Traum wohl noch währen? Das könnte noch eine harte Zeit bis zum Sommer werden. Manchmal ist es eben doch gut, dass Fußball nicht alles ist.

Vertragt euch. Und seid füreinander da!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Sarah IDW sagt:

Ein sehr schöner Bericht. Und wahre Worte. Danke und Glück auf

Carlito sagt:

Kann mich Sarah nur anschließen. Ein sehr schöner Text zu sehr traurigen Anlässen. Einer der Texte, für die ich das Web04 und seine Autorinnen und Autoren auch/einfach mag.

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