09 Feb

Darf man eigentlich auch wieder über Fußball reden?

Diese Frage stelle ich mir unwillkürlich bei der derzeitigen Berichterstattung. Die Zeitungen sind seit Tagen voll von den Vorkommnissen, die sich am vergangenen Samstag rund um das Westfalenstadion abgespielt haben. Gerade die Funke-Gruppe in Person des Chefpopul…redakteurs  sticht in der Berichterstattung hervor. Umfragen, wie lange denn bitte die Süd gesperrt werden soll, reißerische Titel a la „Eine Schande für den Fußball“ und seitenlange Berichte über die Vorgänge vor und während des Spiels BXB-RBL.

Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich ist die Berichterstattung wichtig und ich bin der Meinung, dass man das ganze(wenngleich im Derby trauriges Tagesgeschäft) weder verharmlosen noch unbeachtet lassen soll. Und selbstverständlich ist es völlig schrecklich und nicht im Ansatz zu akzeptieren, wenn Menschen, die nur ein Fußballspiel sehen wollen, Gewalt erleben und im schlimmsten Fall sogar verletzt werden. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Das ist falsch und die Täter sind kranke Idioten, die sich aber leider auch durch den 15. Artikel zu diesem Thema nicht davon abhalten lassen werden, beim nächsten Mal genauso zu reagieren. Im Gegenteil, wahrscheinlich freuen sie sich sogar noch über jeden Satz, der über ihre wahnsinnigen Taten berichtet wird. Sofern sie denn lesen können.

Ich für meinen Teil hätte mir nur die gleiche  Entrüstung in den Medien gewünscht, als im Heimspiel gegen PAOK Saloniki Teile einer Polizeihundertschaft freidrehten und auf die Fans in der Nordkurve einprügelten.  Ich bin nämlich der Meinung, dass man beide Ereignisse durchaus miteinander vergleichen kann,denn :

  1. Es gab bei beiden Spielen keinerlei Gründe, die Gewalt auch nur Ansatzweise gerechtfertigt hätte.
  2. Es wurde ohne Rücksicht auf völlig unbeteiligte, sogar auf Kinder,  losgeknüppelt und auch Verletzungen der Personen wurden billigend in Kauf genommen. Zur falschen Zeit am falschen Ort konnte einen Krankenhausaufenthalt bedeuten.
  3. Die Auslöser waren in beiden Fällen die falschen Farben bzw. Fahnen.
  4. Eine Strafverfolgung der Täter gestaltet sich recht schwierig. Die einen trugen Helme, die anderen waren vermummt.
  5. Die Rädelsführer wird man wahrscheinlich nie belangen.

 

Trotz dieser Gemeinsamkeiten könnte die mediale Wahrnehmung beider Fälle unterschiedlicher nicht sein. Das Heimspiel gegen Saloniki wird nun in der übernächsten Woche eine Neuauflage erfahren. Als Hochrisikospiel, zur absolut „Fan-Freundlichen“ Zeit am Mittwoch um 18 Uhr. Sowohl der Verantwortliche der Polizei als auch der zuständige Innenminister sind nach wie vor im Amt. Im Rahmen einer Pressekonferenz in dieser Woche sprach Peter Peters davon, dass man nun nicht mehr zurück- sondern nach vorne blicken möchte. Ob Herr Watzke in nächster Zeit auch so sprechen darf, ohne gleich zurücktreten zu müssen??

 

So, dass musste mal raus, jetzt aber zum aktuellen Fußballgeschehen, denn das ist um einiges erfreulicher. Sandhausen vs. Schalke. Ein ungefährdeter Sieg mit viel Spielkontrolle, zwei Toren nach Ecken und einem tollen ersten Treffer von Caligiuri. Auch nach dem Gegentreffer, bei denen schon wieder einige Fans zusammenzuckten und an das Spiel in Nürnberg dachten, waren keine gravierenden Schwächen zu erkennen. Hinten sicher, vorne mit dem vierten-zack, das Ding war entschieden. Kurz und bündig: Ein verdienter, souveräner Sieg. Einzig und allein die Auslosung trübte dann ein wenig die Freude über das erste Viertelfinale seit 2011. Aber mal ehrlich, wer den Pokal will, muss halt auch die Bayern schlagen. Und mit der Einstellung von letztem Samstag ist auch in München etwas drin.

 

 

(Bildquelle:http://m.schalke04.de/de/aktuell/news/130822_polizeieinsatz/page/2260–10-213-.html)

Henning

Henning

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Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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Carlito sagt:

Guter Beitrag Henning! Welcher allerdings bei denen, die ihn mal lesen und drüber nachdenken sollten, vermutlich leider nie ankommen wird.

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