06 Okt

Knappen zu verschenken.

Hat eigentlich jemand die E-Mail-Adresse von Peter Peters? Ich hätte da nämlich eine Frage. Nein, viel mehr einen Vorschlag. Ach, der liest bestimmt sowieso das Web 0.4.

Es geht um die Knappenkarte. Sie ist nicht gerade ein beliebtes „Zahlungsmittel“, soviel ist klar. Gästefans haben oft vor der Abreise keine Möglichkeit, sie gegen die Restbesträge einzutauschen und auch für die Heimfans heißt eine kurzfristige Kaufentscheidung doppelt Schlangestehen. Wir haben uns längst daran gewöhnt und nehmen es hin.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Erstens ist nicht an jeder Catering-Bude Bargeld im Umlauf, zweitens taucht das Geld schon vor dem eigentlichen Kauf in der Bilanz auf und kann ‚bearbeitet‘ werden und drittens bleiben eine ordentlichen Summe an Restbeträgen nahezu ewig liegen.

Und genau letzterer Punkt ist der, der mich wundern lässt. Es macht Sinn, dass der Verein sich mit Punkt 6 in der AGB der Knappenkarte, der da lautet „Die Knappenkarte verbleibt im Eigentum der FC Schalke 04 Arena Management GmbH. Sie wird bei der vollständigen Entladung des aufgeladenen Betrages eingezogen. Bei Verlust der Karte erfolgt eine Auszahlung des vorhandenen Betrages nur bei Angabe der Kartennummer und Nachweis des Kartenerwerbs.“ gegen Mißbrauch und irgendwelche illustren Ansprüche absichert. Aber gleichzeitig regt der Verein immer wieder mittels Motivwahl und Sonderverkäufen zum Sammeln an.

Sprich: Wir leihen uns die Karte vom Verein, verzichten auf den Restbetrag und machen damit, was immer wir wollen. Trotzdem gehört sie nominell dem Verein. Ich frage mich erstens, wie viel Geld das sein mag, was da so bei den Fans – freilich nicht nur bei den Schalkern – sondern auch bei denen von Helene Fischer, der Biathleten, der Raab’schen Events etc. pp. rumliegt. Und – auch wenn diese Frage in der Realität natürlich Unsinn ist was wäre, wenn nun alle gleichzeitig ihre Karten einreichen, und ihre Restbeträge zurückfordern würden. Also lautet die eigentliche Frage: Taucht dieses Geld in den Bilanzen auf? Gehören diese Restbeträge in der fiktiven Währung gar nicht mehr uns, sondern dem Verein – also dem Besitzer der Karte – obwohl wir die Vratwurst noch gar nicht erhalten haben? Dem wird so sein, oder? Macht ja nichts. Die Bratwurst können wir ja jederzeit einfordern. Wenn wir es übers Herz bringen, das kleine Raúl-Bildnis aus unserem Portmonaie verschwinden zu lassen.

So weit, so verständlich. Aber meine eigentliche Frage ist, warum man an dieser Stelle nicht Nägeln mit Köpfen macht. Ich kann online einsehen, welche Beträge auf meinen Knappenkarten sind. Das heißt, es gibt eine riesige Datenbank, die gegen Manipulation des Chips schützt und die den Betrag einer jeden je ausgegebenen Knappenkarte speichert. Bei der Anzahl von Fans und Events muss das eine schier unglaubliche Zahl sein. Und befindet sich auf jeder nicht ausgegebenen Karte auch nur 0,20 Cent (und wir alle wissen, dass es in der Regel mehr ist), möchte man gar nicht wissen, was da zusammen kommt.

Die zweite technische Möglichkeit ist die Sperrung einer Karte, die nämlich greift, wenn ein Manipulationsversuch stattfindet. Und diese beiden Möglichkeiten führen zu meinem Vorschlag.

Warum bietet man für Sammler und Gutmenschen wie mich nicht einen „Spenden Button“ an? Tatsächlich müsste dieser – beispielsweise in der sowieso vorhandenen Onlineübersicht – nur die Funktion anbieten, die Karte zu sperren. Der Restbetrag fällt bzw. bleibt endgültig im Besitz des Vereins, beziehungsweise irgendeiner der vielen angeschlossenen Gesellschaften und der Spender erhält dafür ebenso endgültig die (deaktivierte) Knappenkarte.

Somit wäre es eine Win-Win-Situation. Der Käufer bzw. ja Leiher der Karte hätte nicht mehr einen Wust an unübersichtlichen Restbeträgen rum liegen und hat gleichzeitig was gutes für seinen Verein bzw. seiner Wohnzimmerspielstätte getan und der Verkäufer bzw. Verleiher der Karte hätte eine etwas schmalere Datenbank und könnte wirklich fest mit dem Geld planen.

Oder mache ich einen Denkfehler?

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)

Kat04 sagt:

Die idee ist absolut logisch und genial! Das da vorher noch keiner drauf gekommen ist.

Uwe sagt:

Gute Idee. Umsatz ist es erst dann, wenn die Wäre rausgeht. Verein müsste m.E. Rückstellungen bilden, da Verbindlichkeiten gegenüber Fans, oder? Uwe

Andreeee sagt:

Gibt nicht Denkfehler. – Denken nie Fehler.

ombre04 sagt:

Rein wirtschaftlich gesehen, müsste das Aufladen der Knappenkarte bilanztechnisch ähnlich wie ein Gutschein gehandhabt werden.

Sprich, die Kohle kommt rein, wird aber direkt wieder in der Bilanz als Gutschein/Knappenkarte gegengebucht.

Erst beim Kauf der Wurst oder des Bieres, wird der Umsatz entsprechend als Zahlungseingang wieder aus dem Konto Gutschein/Knappenkarte rausgebucht und entsprechend den Umsatzerlösen hinzu gebucht…

hellwach sagt:

Schon beneidenswert, so eine Knappenkarte mit dem Konterfei des ebenso unvergessenen wie großartigen Raul…