03 Okt

Relegation! Meister! Weltfrieden!

Da wir nach vier Spieltagen schon von Abstiegskampf sprachen, dürfte es uns nun freuen, den Saisonstart-Endspurt tatsächlich auf dem Relegationsplatz zu verbringen. Jetzt werden wir doch noch Meister!

Ja, wie fängst du so einen Bericht an? Sachlich-analytisch wie der Kicker oder der Königsblog? Kühl-abwartend wie der Südkurven-Oppa, Jahrgang ’47? Emotional-überschwänglich wie man das Web 0.4 ja eigentlich auch schon mal kennt? Ich versuche alles gleichzeitig.

Mein Gott nee, diese starke Chancenverwertung, da musste ich kurz den Kloß verschlucken, so geil war das, aber ruhig Blut! Alles schon erlebt!… Okay, lieber eins nach dem anderen.
Schalke löst den Schleim. Endlich. Ich konnte nach dem 2:0 diesen Kloß tatsächlich im Hals spüren, weil unerwartet harter Druck entwich. Ausgerechnet gegen Gladbach, einen Gegner, bei dem man damit nicht unbedingt rechnen wollte. Aber tatsächlich wurde es ein vier! zu null! Das haben wir alle wohl gebraucht wie der Bürohengst die doppelte Kanne Kaffee vor dem ersten Mailcheck am Morgen. Geil, ey!

Man mag sich nicht vorstellen, was geschehen wäre. Gut, isses zwar nicht, aber trotzdem: 60.000 kleine, enttäuschte Erwartungen im Stadion, dazu hunderttausende daheim vor den Bildschirmen. Mindestens genau so viele Ratlosigkeiten, wenn nicht sogar mehr. Trainer können sie ja eigentlich alle. Wirklich Recht hatte aber dieses Mal nur der Eine: Markus Weinzierl. Er hat die Truppe aufgestellt, die wir vier Tore haben treten sehen. Wir könnten jetzt über Nastasic reden, der zwar keine Tore, dafür aber hundert Beine getreten hat. Oder über Kolašinac (sprich Kolaschinatz!), dem der Dampf vor all der Maloche aus den Ohren stieg. Oder über Bentaleb, der auffallend unauffällig blieb, wie es sich für einen soliden Sechser gehört.

Mit herausragender, fachlicher Arbeit jedoch fiel ganz besonders Breel Embolo auf. Der Sky-Reporter Marcus Lindemann zog es vor, den Sky Select Film der Woche – „Warcraft – Grauenhafte Orks und heldenhafte Menschen!!!111“ – unglaubwürdig enthusiastisch zu feiern, statt zu bemerken, dass der teuerste Transfer der Schalker Geschichte kurz aus der Pubertät aufgewacht ist. Schätzelein. Der schießt sich in unserer Turnhalle endlich die letzten Pickel vom Rücken, als er das 4:0 ins Tor ackert und du gibst uns das Gefühl, du wolltest selber lieber zu Sky Select schalten, nur weil du diesen Scheißclub aus dem Ruhrgebiet nicht so gerne magst.
Hätteste mal gemacht. Schalke war nicht die überragend bessere Mannschaft. Aber sie war auch nicht die passiv-gelegenheitsglückliche Mannschaft, also auch nicht der zufällige Sieger, den Lindemann und die Mönchengladbacher Offiziellen nach dem Spiel während des Spiels gesehen haben wollen.

Was nehmen wir nun aus der Nummer – neben dem Rausch noch – mit? Ich hab echt keine Ahnung. Der Südkurven-Oppa, Jahrgang ’47,  aber ist in meinem Kopf wesentlich lauter als die anderen Gedanken. Das wichtigste, was er uns sagt: „Durchatmen, Freunde!“

Benjamin

Benjamin

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Exilbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang '86 | Wohnt in der anderen Stadt | Mag es dort | Die Katze heißt Vlad | Unheilbar gesund | Gitarrist | Viel zu schnell unterwältigt | Hat dem Webmaster neulich das Sie angeboten | Twitter
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Carlito sagt:

Treffend geschrieben! Und nach 6 Spieltagen plus Pokal und plus EL haben wir auf Schalke schon wieder ne vortreffliche Runde Gefühlsachterbahn hinter uns. Hoffentlich wars der Startschuss für eine stetig erfolgreiche weitere Saison. Aber, erstmal durchatmen! :)