30 Sep

Red Bull verleiht Flügel

Ich habe keine Ahnung mehr, wie alt ich war. 10? 11? Im Fernsehen tauchten dubiose Comic Spots auf. Sie waren ansprechend. Und bemerkenswert war, dass meiner Erinnerung zufolge Anfangs gar nicht kommuniziert wurde, um was für ein Produkt es sich bei „Red Bull“ handelt. Spannend!

Als es hierzulande eingeführt wurde, verbot die Fürsorge meiner Eltern, dass ich dieses Getränk trinke. Ich habe es natürlich trotzdem getan. Und das, obwohl so eine recht kleine Dose mit einem Preis von über 2 Mark mein mickriges Taschengeld ordentlich schröpfte.

Wow! So musste sich Asterix fühlen, wenn er am Zaubertrank nippt. Ein wenig später musste das Getränk dann regelmäßige für durchgemachte Amiga-Zock-Nächte herhalten. Noch später dann, um bei ersten – und zugegebenermaßen viel zu frühen Gehversuchen im Nachtleben den Vodka für den noch recht kindlichen Gaumen erträglich zu machen.

Ich musste erwachsen werden, um Red Bull scheiße zu finden. Naja, um Energy-Drinks Scheiße zu finden. Das hatte nichts mit irgendwelchem sportlichen Engagement zu tun, welches ich bis dato höchstens bei irgendwelchen damals recht lustig anmutenden SeifenkisteninsWasserbeförder-Veranstaltungen im deutschen Sportfernsehen bemerkte.

Ihr Auftreten im österreichischen Fußball war mir eher herzlich egal. Und beim Auftreten in Deutschland habe ich mich anfangs eher für die sympathische Stadt Leipzig gefreut, dass da was passiert. Ich habe die Situation wohl ein wenig unterschätzt. Aber so richtig verteufeln kann ich das nicht. Dazu fühle ich mich zu sehr im Glashaus. Auch, wenn ich nur Anhänger eines e.V.’s bin. Wir sind schließlich die, die mit der Bereitschaft, Unsummen in Eintrittsgelder, Fan-Artikel, TV-Pakete und Mitgliedschaften zu investieren, dieses Geschäft überhaupt möglich machen.

Trotzdem, keine Frage, nirgendwo kann man das Übel des Profifußballs so deutlich spüren, wie in den RB-Vereinen. Die Fans von Salzburg scheinen zum großen Teil auch die Nase voll zu haben, vor allem, weil sie zu Gunsten von Leipzig ordentlich geschwächt wurden.

Dieser Umstand machte es noch schwerer, unseren gestrigen Gegner einzuschätzen. Trotzdem glaube ich daran, dass wir nicht gegen ein desolates Team gespielt haben, sondern einfach aktiv wenig zugelassen haben, auch wenn man die Außenverteidiger der Österreicher sicher als dankbare Opfer bezeichnen kann. Zumindest bis zum 3:0. Also bis Salzburg auf ein 4-4-2 umstellte.

Schalke verwaltete diesmal den Ball nicht. Er wurde gespielt. Das zeigt sich auch in der relativ harmlosen Ballbesitzstatistik, die in der ersten Halbzeit sogar für die Brausekicker ausgefallen sein dürfte. (Ich schlag das jetzt mal nicht nach.)

Dementgegen stehen aber nicht nur eine Menge mehr Torschüsse, sondern auch Ein Eckenverhältnis von 12:3. Ich spare mir jetzt die Matip-Sehnsuchts-Attacke. Die Gelassenheit Goretzkas beim 1:0 darf man meines Erachtens als Schlüsselszene und Symbolbild des Spiels betrachten.

Ja, vielleicht war das noch unter den Möglichkeiten, und nein, vielleicht reicht diese Leistung – vor allem wenn man die Chancenverwertung betrachtet – noch nicht für einen Gegner wie Gladbach. Aber sie gibt Selbstvertrauen und brachte – man hatte zumindest beim Jubel zum 3:0 das Gefühl – den Jungs den Spaß am Fußballspiel zurück. Und mit dem im Gepäck sollte diese Saison wirklich noch alles drin sein!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Andreeee sagt:

Wenn man am Himmelfahrtswochenende im Mai von Stockholm nach Berlin will, sagen, wir, am Freitag-Morgen, 26.5., schön nach dem Spiel noch den Feiertag in Schweden durchziehen und dann genügend Vorglühzeit für das andere Finale, dann kriegt man derzeit einen Flug in der Economy Classic für 114,31€ –

derwahrebaresi sagt:

@…sollte diese Saison wirklich noch alles drin sein!

rechnerisch ist die meisterschaft also noch machbar?
fein!